Stand: 05.07.2019 15:15 Uhr

Lügde: Polizei findet Daten, Gericht befragt Opfer

Bei der Durchsuchung der Parzelle eines neuen Beschuldigten hat die Polizei Datenträger sichergestellt.

Im Fall des jahrelangen massenhaften Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz in Lügde in Nordrhein-Westfalen sind bei einem neuen Beschuldigten während der Durchsuchungen mehrere Datenträger sichergestellt worden. Diese Gegenstände kämen als Beweismittel infrage, wie die Staatsanwaltschaft Detmold und die Polizei in Bielefeld am Freitag mitteilten. Die Parzelle des in den Fokus der Ermittler gerückten 57-Jährigen war am Mittwoch und Donnerstag durchsucht worden. Die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft würden nun fortgesetzt, sagte ein Polizeisprecher. Bei dem Beschuldigten handelt es sich nach Angaben der Ermittler um einen Mann aus Steinheim (Nordrhein-Westfalen). Nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" (SZ) soll er gut mit Mario S., einem der beiden Hauptangeklagten, befreundet gewesen sein.

Eine Polizeiabsperrung weht vor einem Gebäude auf einem Campingplatz.

Lügde: Neuer Verdächtiger im Visier der Ermittler

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Im Missbrauchsfall von Lügde gibt es einen weiteren Beschuldigten. Der 57-Jährige stammt aus dem gleichen Ort wie Mario S., einer der beiden Hauptangeklagten im Prozess.

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Aussage von Opfer brachte Ermittlungen in Gang

Die beiden Männer sollen sich von 2010 bis 2015 laut NDR, WDR und SZ eine Parzelle auf dem Campingplatz geteilt haben. Bis heute seien sie zudem unter der gleichen Adresse in Steinheim bei Höxter gemeldet. Die Wohnung wurde ebenfalls durchsucht, wie Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte. Der 57-Jährige sei nach der Vernehmung eines minderjährigen Opfers in den Fokus der Ermittler geraten. Dieses Kind sei erstmals am Mittwoch vernommen worden, so Reul. Daraufhin seien die Wohnung des Beschuldigten sowie seine Campingplatz-Parzelle sofort durchsucht worden. Im Laufe der Ermittlungen sei der Beschuldigte schon einmal von den Ermittlern befragt worden - so wie andere Parzellenbesitzer auf dem Campingplatz auch. Hinweise, die eine Durchsuchung der Parzelle notwendig gemacht hätten, habe es zu dem Zeitpunkt aber nicht gegeben, so Reul.

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Über Jahrzehnte soll Andreas V. auf einem Campingplatz in Lügde Kinder vergewaltigt haben. Offenbar nutzte der Täter die Bedürftigkeit der Kinder aus. Video (04:46 min)

Anzeige wegen Vergewaltigung einer 15-Jährigen im Sommer 2018

Nach Informationen von NDR, WDR und SZ gaben mehrere Betroffene, die Mario S. beschuldigten, an, über den 57-Jährigen auf den Campingplatz gekommen zu sein. Gegen ihn soll es bereits im vergangenen Sommer eine Anzeige wegen Vergewaltigung gegeben haben. Eine damals 15-Jährige hatte ihm die Tat vorgeworfen, die sich nach einer Feier auf dem Campingplatz ereignet haben soll. Aus Mangel an Beweisen hatte die Staatsanwaltschaft Detmold die Ermittlungen jedoch eingestellt. Jetzt wurde gegen den 57-Jährigen nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen schweren sexuellen Missbrauchs eingeleitet. Laut Polizei wurde er weder vorläufig festgenommen, noch wurde ein Haftbefehl gegen ihn beantragt. Auf Anfrage von NDR, WDR und SZ wollte sich der Beschuldigte nicht äußern.

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Opfer haben im Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesagt

Unterdessen wurde am Freitagvormittag der Prozess um den hundertfachen sexuellen Missbrauch von Kindern am Landgericht Detmold fortgesetzt. Das Gericht hörte Opfer im Alter von sechs bis 13 Jahren und einige Eltern als Zeugen - unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Zudem mussten die Angeklagten bei einigen Aussagen den Saal verlassen. Anwälte der Nebenkläger hatten dies beantragt und mit einer großen Angst ihrer Mandanten vor den Peinigern begründet. Die Mutter eines Opfers wurde von einer Psychologin begleitet. Dem Gericht geht es bei der Vernehmung vor allem darum, sich ein Bild davon zu machen, wie es den Opfern und ihren Angehörigen geht.

Verfahren gegen Mann aus Stade geht am 17. Juli weiter

Die drei Angeklagten hatten zum Prozessauftakt in der vergangenen Woche ein Geständnis abgelegt. Das erspart den Zeugen Detail-Aussagen zu den Taten auf dem Campingplatz. Der 56-jährige Andreas V. aus Lügde und der 34-jährige Mario S. aus Steinheim sollen auf dem Campingplatz Kinder über Jahre hinweg sexuell missbraucht und wiederholt vergewaltigt haben. Die jüngsten Opfer sollen im Kindergartenalter gewesen sein. Laut Staatsanwaltschaft filmten die Angeklagten einige der Taten. Das Verfahren gegen den 49-jährigen Heiko V. aus dem niedersächsischen Stade wurde abgetrennt und wird am 17. Juli fortgesetzt. Ihm wird zur Last gelegt, an Internet-Übertragungen teilgenommen und zu den Taten angestiftet zu haben.

42 Opfer, sieben Verdachtsfälle

Nach Angaben des NRW-Innenministeriums gab es nach dem Stand von Mitte Mai 42 Opfer und sieben Verdachtsfälle. In dem gesamten Verfahrenskomplex wird laut einem früheren Bericht von Innenminister Reul gegen rund 20 Beschuldigte ermittelt, unter ihnen zwei Polizeibeamte und acht Behördenmitarbeiter. Ein Verwandter eines Angeklagten wird verdächtigt, Beweismaterial vernichtet zu haben. Gegen ihn wird ebenfalls ermittelt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 05.07.2019 | 10:00 Uhr

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