Stand: 04.04.2019 16:17 Uhr

Lügde: Noch mehr mögliche Täter

Der massenhafte Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz in Lügde nahe Bad Pyrmont weitet sich aus. Die Zahl der möglichen Täter hat sich auf acht erhöht. Dies hat Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) am Donnerstag im Innenausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags mitgeteilt. Auch die Anzahl der öffentlich bekannten Opfer steigt. Sie liegt inzwischen bei 40. Bei zwölf weiteren Menschen besteht der Verdacht des Missbrauchs. Auch ein 48-Jähriger aus Stade sitzt im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen in Untersuchungshaft.

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Missbrauch in Lügde: Landrat räumt Fehler ein

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Im Sozialausschuss des Landtags hat Hameln-Pyrmonts Landrat Tjark Bartels ausgesagt und versucht, das Handeln im Missbrauchsfall Lügde zu erklären. Er räumte Fehler seiner Mitarbeiter ein. Video (02:32 min)

Bislang 36 Opfer bekannt

Bislang waren 36 Geschädigte und 15 Verdachtsfälle bekannt. Ein 56 Jahre alter Dauercamper soll zusammen mit einem Komplizen über Jahre hinweg Kinder missbraucht und dabei gefilmt haben. Die Verdächtigen sitzen genau wie der 48-Jährige aus Stade in Untersuchungshaft. Der Stader steht im Verdacht, die Taten live im Internet verfolgt zu haben.

"Spiegel"-Bericht: Schwere Fehler bei Opfer-Befragung

Unterdessen werden neue Vorwürfe gegen die Ermittler in dem Fall laut. Wie "Spiegel Online" berichtet, sollen die Beamten der Kreispolizeibehörde Lippe bei der Befragung der mutmaßlichen Opfer schwere Fehler gemacht haben. Demnach hätten eigentlich nur speziell dafür ausgebildete Sexualsachbearbeiterinnen die Befragungen durchführen dürfen. Zwar seien zwei der drei Polizistinnen für den Umgang mit Jugendlichen geschult gewesen, eine Ausbildung wie vorgegeben hatte laut Bericht aber offenbar keine. Darüber hinaus seien nicht alle Befragungen per Video aufgezeichnet worden, was in solchen Fällen üblich wäre.

Ermittlungen auch gegen Polizisten

Der Fall sorgt bereits länger nicht nur wegen der Taten und des Ausmaßes für Bestürzung in der Öffentlichkeit. Nach und nach waren zahlreiche Fehler bei den Ermittlungen bekannt geworden, Beweismaterial verschwand und Jugendämter sollen frühe Hinweise auf den sexuellen Missbrauch falsch eingeschätzt haben. Deshalb wird nicht nur gegen die mutmaßlichen Kinderschänder, sondern auch gegen Jugendamtsmitarbeiter und Polizisten ermittelt.

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Weiterer Fall in benachbartem Bad Oeynhausen

Darüber hinaus ist nun ein weiterer Fall aus dem benachbarten Bad Oeynhausen ans Licht gekommen. Ein Physiotherapeut soll minderjährige Patienten in seiner Praxis missbraucht und fotografiert haben. Der Fall lag laut Nordrhein-Westfalens Innenminister Reul seit November 2017 bei der Kripo Minden-Lübbecke. Erst am 8. März gab es dann eine Razzia, seit dem 29. März sitze der Mann aus Bad Oeynhausen in Untersuchungshaft. Die Polizei ermittelt nun, ob es noch weitere Opfer gibt.

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Dieses Thema im Programm:

Regional Hannover | 04.04.2019 | 17:00 Uhr

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