Stand: 17.05.2019 20:12 Uhr

Lügde: Konzept gegen Missbrauch in Hameln-Pyrmont

Im Zusammenhang mit massenhaftem Kindesmissbrauch in Lügde steht auch der Landkreis Hameln-Pyrmont in der Kritik - nun soll es Konsequenzen geben. Der Landkreis will ein Konzept entwickeln, um sexualisierte Gewalt zu erkennen und zu verhindern. Hierfür würden zwei neue Stellen geschaffen, sagte Landrat Tjark Bartels (SPD) am Freitag. "Wir wollen möglichst alle Kinder, Eltern, Kita-Mitarbeiter und Lehrkräfte erreichen", so Bartels. Noch immer behaupteten manche Schulleitungen, dass es in ihrer Schule keinen Missbrauch gebe. Statistisch gesehen säßen jedoch in jeder Klasse zwei Kinder, die Opfer sexuellen Missbrauchs geworden seien.

Jugendamt ignorierte Hinweise auf Missbrauch

Das Hamelner Jugendamt hatte einen 56-jährigen Dauercamper im Jahr 2017 als Pflegevater für ein Mädchen eingesetzt, obwohl es Hinweise auf sexuelle Übergriffe gab. Jahrelang soll der Mann auf dem Campingplatz in Lügde insgesamt mehr als 40 Kinder missbraucht und die Taten gefilmt haben. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 56-jährigen Hauptverdächtigen 293 Fälle von sexuellem Missbrauch von Schutzbefohlenen, schwerem sexuellen Missbrauch von Kindern und Besitz von Kinderpornografie vor.

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Anklage im Lügde-Fall: Erschütternde Details

Zwei Angeklagte, 22 Opfer und hundertfacher Missbrauch: Das Landgericht Detmold hat erstmals erschreckende Details aus der Anklage gegen die Beschuldigten im Lügde-Fall genannt. (17.05.2019) mehr

Kommunalaufsicht überprüft Verhalten des Jugendamts

Landrat Bartels hatte bereits Fehler des Jugendamts eingeräumt und sich bei den Opfern entschuldigt. Eine Mitarbeiterin wurde entlassen: Sie hatte eine Passage aus der Akte des Pflegekinds kurz vor der Beschlagnahmung durch die Staatsanwaltschaft gelöscht. Die Kreisverwaltung hat die beim niedersächsischen Innenministerium angesiedelte Kommunalaufsicht eingeschaltet. Eine Kommission wird nun das Handeln des Jugendamtes im Zusammenhang mit dem Fall Lügde überprüfen.

Sozialministerin plant Kampagne für Kinderschutz

Mehr Einsatz für den Kinderschutz will auch der Landtag, Abgeordnete haben sich über Parteigrenzen hinweg dafür ausgesprochen. Sozialministerin Carola Reimann (SPD) plant unter anderem eine Informationskampagne mit dem Arbeitstitel "Kinderschutz geht uns alle an". Der Austausch zwischen Jugendämtern solle verbessert werden, auch mit Ämtern jenseits der Landesgrenze, so Reimann. Lügde liegt nahe der niedersächsischen Grenze im Kreis Lippe in Nordrhein-Westfalen.

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Experte fordert kindgerechte Vernehmungen

Mehrfache Vernehmungen und zunächst keine Therapie: Der Umgang der Ermittlungsbehörden mit den Opfern des massenhaften Kindesmissbrauchs in Lügde sorgt für Kritik. (15.05.2019) mehr

Missbrauch in Lügde: Anklage erhoben

Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen zwei Beschuldigte im Missbrauchsskandal von Lügde erhoben. In der Hauptakte ist von 46 Opfern die Rede - und von unvorstellbaren Taten. (14.05.2019) mehr

Hamelner Jugendamt im Kreuzfeuer der Kritik

Vertreter von CDU und FDP haben nach den neuerlichen Vorwürfen im Missbrauchsskandal von Lügde deutliche Kritik am Hamelner Jugendamt geübt. Die CDU fordert einen Sonderermittler. (06.05.2019) mehr

Lügde: Landrat räumt erneut Fehler ein

Im Sozialausschuss des Landtags hat Hameln-Pyrmonts Landrat Bartels erneut Fehler im Fall Lügde eingeräumt. Der SPD-Politiker wurde danach heftig kritisiert - auch aus der eigenen Partei. (21.03.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 | 17.05.2019 | 18:00 Uhr

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