In einem Gerichtssaal liegen mehrere Aktenordner übereinander auf einem Tisch. © dpa picture alliance Foto: Bernd Thissen

Lügde-Kommission: Benötigen mehr Kinderschutz-Experten

Stand: 16.12.2020 21:17 Uhr

Justizministerin Barbara Havliza (CDU) hat am Mittwoch den Abschlussbericht der sogenannten Lügde-Kommission vorgestellt. Die Kinderschutz-Experten fordern darin mehr Profis im Jugendhilfe-System.

Die vom Niedersächsischen Landespräventionsrat ins Leben gerufene interdisziplinär besetzte Expertenrunde hatte eineinhalb Jahre lang Abläufe in Jugendämtern überprüft. Außerdem ging es um die Zusammenarbeit zwischen Behörden und Institutionen des Kinderschutzes. In ihrem Abschlussbericht hat sie 44 Vorschläge an die niedersächsische Landesregierung formuliert, um den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexuellem Missbrauch zu erhöhen. Unter anderem müsse die Qualität der Arbeit im Umgang mit jungen Menschen deutlich verbessert werden. Für die Aufgaben im Kinderschutz benötige man Spezialisten und keine Berufsanfänger. Es herrsche derzeit ein Fachkräftemangel. Abhilfe könnten unter anderem regelmäßige Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen schaffen. Havliza sagte: "Wir brauchen gute Konzepte zur Prävention und das Bewusstsein, dass sexualisierte Gewalt wirklich in allen Teilen der Gesellschaft vorkommt."

Videos
Ein schmuddeliger Wohnwagen auf einem Campingplatz.
2 Min

Lügde: Ermittlungen gegen Jugendamt eingestellt

Im Fall des Kindesmissbrauchs in Lügde hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Jugendamtsmitarbeiter eingestellt. Ein hinreichender Tatverdacht bestehe nicht. 2 Min

Kommission fordert neues Denken in Jugendämtern

Kommissionsleiter Thomas Meysen sprach sich zudem für mehr Sensibilität in Jugendämtern aus. Es müsse in den Behörden eine Atmosphäre geschaffen werden, in der es möglich sei, getroffene Entscheidungen kritisch zu hinterfragen. "Fälle wie derjenige in Lügde machen deutlich: Jugendämter sind für Kinder lebenswichtig - auch in Zeiten von Corona. Kinderschutz ist lebenswichtig." Die Aufarbeitung des Lügde-Komplexes hat schwere Versäumnisse im Jugendamt Hameln-Pyrmont aufgedeckt. So hatte die Behörde ein Mädchen trotz deutlicher Anzeichen für sexuellen Missbrauch dem Haupttäter auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde an der Grenze zu Niedersachsen in Pflege gegeben.

Enquete-Kommission des Landtags nimmt Arbeit auf

Justizministerin Havliza erklärte, die Landesregierung nehme die Anregungen sehr ernst und sei daran, sie umzusetzen. "Die neue Enquetekommission, die am 14. Dezember ihre konstituierende Sitzung hatte, wird gewiss weitere Punkte auf den Weg bringen." 14 Abgeordnete und vier externe Experten sollen wirkungsvolle Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen erarbeiten und umsetzen. Der Abschlussbericht wird für Ende 2021 erwartet.

Weitere Informationen
Junge versteckt sein Gesicht © imago stock&people

Nach Fall Lügde: Kommission für Kinderschutz startet

Der Enquetekommission gehören 18 Mitglieder an, die bis Ende 2021 konkrete Ergebnisse präsentieren sollen. mehr

Beflaggtes Landkreisgebäude in Hameln.

Nach Lügde: Landkreis entwickelt Konzept gegen Missbrauch

Unter anderem sollen Beschäftige des Jugendamts Hameln-Pyrmont fortgebildet werden. Auch eine App mit Infos ist geplant. mehr

Abgeordnete sitzen im niedersächsischen Landtag (Aufnahme mit langer Verschlusszeit und Zoom-Effekt) © dpa - Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Landtag: Neue Wege gegen Kindesmissbrauch

Eine Enquetekommission soll künftig den Kinderschutz in Niedersachsen verbessern. Damit soll Missbrauch und sexueller Gewalt, wie etwa im Fall Lügde, vorgebeugt werden. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 16.12.2020 | 15:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus der Region

Ein Postbote fährt Briefe in der historischen Innenstadt von Lüneburg aus. © dpa - Bildfunk Foto: Philipp Schulze

Ministerium verschickte Impfstart-Info auch an Verstorbene

Nach Angaben eines Sprechers handelt es sich um Einzelfälle. Das Ministerium hatte 210.000 Haushalte angeschrieben. mehr

Ein Auto steht nach einem Unfall an einer Autobahn. © aktuell24

A7: Mehrere Verletzte nach Unfällen nahe Hildesheim

Ein 20-Jähriger war nach einem ersten Unfall auf einen Lkw aufgefahren. Er wurde dabei schwer verletzt. mehr

Eine Tafel weist auf das Amtsgericht, das Landgericht und die Staatsanwaltschaft Hildesheim vor dem entsprechenden Gebäude hin. © picture alliance/Holger Hollemann/dpa Foto: Holger Hollemann

163-facher Betrug: Ex-Pastor muss in Hildesheim vor Gericht

61-Jähriger soll mit fingierten Rechnungen 52.000 Euro erschlichen haben. Prozessauftakt ist heute mehr

Blick in ein leeres Klassenzimmer der Klasse 1 a einer Grundschule © picture alliance/Inderlied/Kirchner-Media / Inderlied/Kirchner-Media

Szenario C wie Chaos? Krisen-Konzept in der Kritik

Grundschüler haben in Niedersachsen die Wahl: Schule oder zu Hause lernen. Verbänden und Opposition gefällt das nicht. mehr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen