Stand: 10.04.2019 09:27 Uhr

Lügde: Hütte des Hauptverdächtigen wird abgerissen

Nach dem Missbrauch von mindestens 40 Kindern auf einem Campingplatz in Lügde nahe Bad Pyrmont lässt der Betreiber die Hütte des Hauptverdächtigen abreißen. Das berichtet der WDR. Demnach wurde bereits am Dienstag mit entsprechenden Arbeiten begonnen. Das Gelände war seit Monaten gesperrt, die Polizei hatte die Hütte mehrmals nach Beweismitteln durchsucht. Jetzt scheinen die Ermittlungen abgeschlossen zu sein: Laut WDR wurde der mutmaßliche Tatort durch die Staatsanwaltschaft freigegeben. In Folge dessen darf die Behausung abgerissen werden.

Betreiber hatte auf Freigabe gewartet

Der Campingplatzbetreiber hatte sein Vorhaben angekündigt. Laut "Lippische Landes-Zeitung" hatte er auf die Freigabe des Tatorts und die nötige Rechtssicherheit für den Abriss gewartet. "Am liebsten hätte ich die ganze Parzelle direkt dem Erdboden gleich gemacht", zitierte die Zeitung den Betreiber. Auf einem Foto ist zu sehen, wie ein Bagger das Areal um die Baracke frei räumt.

Kaum zu bewältigende Datenmasse

Erst Anfang der Woche hatte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) eingeräumt, dass die strafrechtliche Aufarbeitung des tausendfachen Kindesmissbrauchs wegen der Menge an Beweismaterial kaum zu bewältigen sei. "Wir stehen vor Bergen von Daten, Bildern und Filmen, die da zusammenkommen", sagte Reul am Montag.

Mindestens 40 Opfer

Ein Dauercamper soll auf einem Campingplatz in Lügde über Jahre Kinder missbraucht und dabei gefilmt haben. Mehrere Personen sollen als Mittäter fungiert haben. Zurzeit gibt es acht Verdächtige. Unter anderem sitzt ein 48-Jähriger aus Stade im Zusammenhang mit den Fällen in Untersuchungshaft. Er soll die Taten live im Internet verfolgt haben. Von 40 mutmaßlichen Opfern gehen die Ermittler momentan aus, hinzu kommen zwölf Verdachtsfälle.

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Ermittlungen auch gegen Polizisten

Der Fall sorgt bereits länger nicht nur wegen der Taten und des Ausmaßes für Bestürzung in der Öffentlichkeit. Nach und nach waren zahlreiche Fehler bei den Ermittlungen bekannt geworden, Beweismaterial verschwand und Jugendämter sollen frühe Hinweise auf den sexuellen Missbrauch falsch eingeschätzt haben. Deshalb wird nicht nur gegen die mutmaßlichen Kinderschänder, sondern auch gegen Jugendamtsmitarbeiter und Polizisten ermittelt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 10.04.2019 | 08:30 Uhr

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