Stand: 19.07.2019 16:46 Uhr

Lügde: Hat Urteil Konsequenz für Hauptverfahren?

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Anwalt Roman von Alvensleben vertritt mit seiner Kanzlei die Opfer des Missbrauchsskandals in der Nebenklage. (Archiv)

Ein erstes Urteil in Missbrauchsskandal Lügde (Nordrhein-Westfalen) ist gefallen. Zwei Jahre auf Bewährung für Heiko V. - einen Mann aus Stade, der über Videochat beim Missbrauch eines jungen Mädchens zugeschaut und die Taten über das Internet angeleitet hatte. Dass der Mann wieder auf freiem Fuß ist, sorgt auch Tage nach dem Urteilsspruch für Empörung. Hat das Landgericht Detmold zu sanft geurteilt? Und tut es das womöglich auch bei den Angeklagten im Hauptverfahren, dem Hauptverdächtigen Andreas V. und seinem mutmaßlichen Komplizen Mario S.?

"Gericht schaut auf Nachtatverhalten"

Das sei natürlich schwer zu sagen, sagt Roman von Alvensleben. Seine Kanzlei vertritt die Opfer des vielfachen Missbrauchs. Mit dem Urteil gegen Heiko V. hätte das Gericht gezeigt, dass es auch das Nachtatverhalten der Angeklagten anschaue. Dabei wurde bei V. durchaus berücksichtigt, dass der Mann die Tat früh gestanden, sich gar bei dem Missbrauchsopfer entschuldigt hatte. Ein solches Zeichen von Reue hatten die beiden Hauptangeklagten bislang nicht gezeigt. Außerdem lauten die Tatvorwürfe nicht wie bei Heiko V. Anstiftung und Beihilfe zum sexuellen Missbrauch, sondern hundertfacher sexueller und schwerer sexueller Missbrauch. Allein dieser Umstand würde das Gericht sicher zu einem anderen Urteil kommen lassen, so von Alvensleben.

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"Urteil ist ein falsches Signal"

Zur Bewährungsstrafe für den Mann aus Stade sagte von Alvensleben: "Man hätte mit dem Urteil ein Zeichen setzen können." Wohlwissend, dass sich die Entscheidung der Richter in die vorangegangener Prozesse einfüge und damit dem Gericht aus rechtlicher Sicht erst einmal kein Vorwurf zu machen sei. "Dennoch ist das Urteil ein falsches Signal", sagt von Alvensleben. Allein die 32.000 Dateien mit kinderpornografischen Inhalten seien kein Kavaliersdelikt. "Der Angeklagte ist mit der Bewährungsstrafe zu früh vom Haken gelassen worden." Ein Trost sei nun mehr der Antrag der Staatsanwaltschaft auf Revision. Die Anklagebehörde hatte zwei Jahre und neun Monate Haft gefordert, die Opfer-Anwältin, eine von von Alvenslebens Kolleginnen, hatte sich für dreieinhalb Jahre ausgesprochen.

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