Stand: 20.03.2019 10:01 Uhr

Lügde: Fünf weitere Kinder aus Familien genommen

Im Missbrauchsskandal von Lügde an der Grenze zu Niedersachsen hat das Jugendamt Lippe (NRW) fünf weitere Kinder in Obhut genommen. Dies berichtet der WDR. "Die Kinder sind auf alle Fälle Opfer. Die Eltern könnten Täter sein. Das wird ermittelt. Ein Kind lebte auch in einem Wohnwagen auf dem Campingplatz", sagte der Jugendamtsleiter Karl-Eitel John dem WDR.

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Missbrauch in Lügde: Jugendamt hatte Hinweise

19.03.2019 19:30 Uhr
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Über mehrere Jahre wurden Kinder in Lüdge missbraucht und die Behörden wollen nichts gemerkt haben. Hinweise auf eine mögliche Pädophilie des Täters gingen offenbar unter. Video (03:52 min)

Ermittlungen gegen zwei Eltern

Der Verdacht stehe im Raum, dass die Eltern die Kinder den mutmaßlichen Tätern zum Missbrauch "zugeführt hätten", sagte John weiter. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Detmold bestätigte dem WDR, dass gegen zwei Eltern ermittelt werde. Weitere Details nannte er nicht.

Hinweise ans Jugendamt

Die betroffenen fünf Kinder sollen aus drei verschiedenen Familien stammen. Das Jugendamt des Kreises Lippe habe Hinweise durch Fachkräfte sowie Anzeigen bei der Polizei jeweils mit dem Verdacht auf Missbrauch erhalten, so der Sprecher. Nach dem ersten Fall und der Inobhutnahme Mitte November 2018 hätten alle Mitarbeiter besonders aufmerksam hingeschaut, hieß es. Von den insgesamt sechs in Obhut genommenen Kindern würden aktuell noch fünf in stationären Jugendhilfeeinrichtungen und Pflegefamilien betreut, sagte ein Sprecher des Kreises Lippe am Mittwoch.

Drei Hauptbeschuldigte

Ende Januar war bekannt geworden, dass mindestens drei Männer auf einem Campingplatz an der Grenze zu Niedersachsen über Jahre hinweg Dutzende Kinder missbraucht hatten, darunter ein heute achtjähriges Mädchen, das bei einem der drei Hauptverdächtigen in einem Pflegeverhältnis lebte. Die drei Hauptbeschuldigten (56, 48 und 33 Jahre alt), unter ihnen ein Mann aus Stade, sitzen in Untersuchungshaft. Nach bisherigen Erkenntnissen gab es seit 2008 auf dem Campingplatz in Lügde mehr als 1.000 Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch.

Pannen und Behördenversagen

Seit Bekanntwerden des Falls steigen die Zahlen der Missbrauchsopfer, mutmaßlicher Täter und Mitwisser sowie der Umfang des Behördenversagens in der Verwaltung und bei der Polizei. So wurde bekannt, dass ein Ermittler selbst 2011 wegen des Besitzes von Kinderpornografie verurteilt worden war. Am Dienstag hatte Tjark Bartels (SPD), Landrat von Hameln-Pyrmont, schwere Versäumnisse in dem Fall eingeräumt. Demnach wusste das Kreis-Jugendamt bereits Ende 2016 durch drei voneinander unabhängige Hinweise von Pädophilie-Vorwürfen gegen den ehemaligen Pflegevater eines Mädchens.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 20.03.2019 | 08:30 Uhr

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