Stand: 09.04.2019 12:37 Uhr

Lügde: Beweismaterial-Auswertung unmöglich?

Die Polizei hat im Fall Lügde große Mengen Daten sichergestellt.

Die strafrechtliche Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in Lügde nahe Bad Pyrmont ist laut Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) durch die schiere Menge an Material kaum zu bewältigen. Er habe die Dimension von Verbrechen dieser Art zunächst nicht für möglich gehalten, sagte Reul im Fernsehsender Phoenix. "Wir stehen vor Bergen von Daten, Bildern und Filmen, die da zusammenkommen", sagte Reul in der am Montagabend gezeigten Sendung "Unter den Linden", "und wir bekommen sie nicht ausgewertet, das ist die Wahrheit." Ein einzelner Polizist würde für die Sichtung des Materials 2.000 Jahre benötigen, so der Minister: "So viele Polizisten und Fachleute kann ich gar nicht einstellen. Wir brauchen Technik, sonst bewältigen wir das nicht."

Ermittlungsrichter in der Kritik

Unterdessen prüft die Dienstaufsicht nun auch ein mögliches Fehlverhalten eines Richters aus Detmold. Laut Medienberichten hatte der im Fall Lügde tätige Ermittlungsrichter einen Solidaritätsbrief an die lippische Polizei geschrieben. Darin habe er sich als Privatperson an die vielen Beamten gewandt. Er habe sie aufbauen wollen, hieß es. Der Präsident des Detmolder Landgerichts habe dienstaufsichtsrechtliche Maßnahmen eingeleitet, teilte Nordrhein-Westfalens Justizminister Peter Biesenbach (CDU) im Landtag mit.

Mindestens 40 Opfer

Ein Dauercamper soll auf einem Campingplatz in Lügde über Jahre Kinder missbraucht und dabei gefilmt haben. Mehrere Personen sollen als Mittäter fungiert haben. Zurzeit gibt es acht Verdächtige. Unter anderem sitzt ein 48-Jähriger aus Stade im Zusammenhang mit den Fällen in Untersuchungshaft. Er soll die Taten live im Internet verfolgt haben. Von 40 mutmaßlichen Opfern gehen die Ermittler momentan aus, hinzu kommen zwölf Verdachtsfälle.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 09.04.2019 | 09:30 Uhr

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