Stand: 08.10.2016 16:25 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Letzte Chance: Babyklappe und vertrauliche Geburt

Babyklappe an einer Krankenhaustür. © dpa Foto: Peter Steffen
Die Babyklappe kann eine letzte Option für verzweifelte Mütter sein. (Archivbild)

Gleich zwei Mal wurden in den vergangenen Wochen in Niedersachsen tote und verlassene Säuglinge gefunden. Die dramatischen Fälle machen deutlich: Manche werdende Mutter verzweifelt an ihrer Schwangerschaft - spätestens die Geburt kann dann mit einer tiefen psychologischen Krise einhergehen. Damit solche Fälle eine Ausnahme bleiben, bieten sechs Standorte in Niedersachsen und Bremen Müttern die Möglichkeit, ihre neugeborenen Kinder anonym in einer Babyklappe abzugeben. Und alternativ gibt es seit 2014 die sogenannte vertrauliche Geburt.

Jedes Jahr ein Kind in Hannover und Bremen

Diese vertrauliche Geburt wurde in Zusammenarbeit mit zahlreichen Beratungsstellen auch deshalb geschaffen, weil Babyklappen durchaus umstritten sind. Denn sie nehmen den Kindern jede Chance, im späteren Leben ihre Mütter aus eigenem Antrieb zu finden. Dass sie dennoch genutzt werden, davon kann etwa in Hannover der Verein Notruf Mirjam berichten. Er betreibt seit 2001 das "Babykörbchen", wie es dort genannt wird. "Es gibt kein Jahr, in dem dort kein Säugling abgegeben wird", sagt Geschäftsführer und Pastor Heino Masemann. Auch in Bremen gibt es eine solche Möglichkeit. Am Krankenhaus St. Joseph Stift wurden zwischen 2002 und 2016 16 Kinder abgegeben, wie eine Sprecherin mitteilte.

Es geht nicht um Werbung dafür, ...

In kleineren Städten und ländlichen Regionen sind die Zahlen nicht ganz so hoch. In Nordhorn, wo sich der Sozialdienst Katholischer Frauen (SKF) um die Einrichtung kümmert, wurden seit 2001 neun Kinder gefunden - das bislang letzte in diesem Jahr. Am Krankenhaus Marienstift in Braunschweig waren es in dem Zeitraum sechs Babys und beim SKF in Osnabrück vier. "Dafür wollen wir aber keine Werbung machen", sagt die dortige SKF-Geschäftsführerin Birgit Ottens.

... es geht um eine letzte Option

Sozialverbände haben die Babyklappe lange kritisiert - 2014 wurde dann eine weitere Anlaufstelle für Mütter geschaffen: die vertrauliche Geburt. Dabei melden sich Frauen während der Schwangerschaft bei einer Beratungsstelle. Ihr richtiger Name wird hinterlegt, für alle weiteren Behandlungen und die Geburt selbst bekommen sie jedoch ein Pseudonym. So können sie ihr Baby nach der Geburt anonym abgeben. Das Kind erhält aber mit 16 Jahren die Möglichkeit, den richtigen Namen der Mutter zu erfahren, sollte diese das kurz vorher nicht erneut ablehnen.

Vertrauliche Geburt wird angenommen

Das Angebot werde angenommen, teilte das niedersächsische Sozialministerium mit. Zwischen Mai 2014 und Ende September dieses Jahres gab es bundesweit 238 vertrauliche Geburten. Zahlen für Niedersachsen gibt es nicht, bekannt ist aber, dass mehr als 100 Beratungsstellen und Fachkräfte für die Beratung zur vertraulichen Geburt qualifiziert sind. "Frauen, die ihre Schwangerschaft komplett verdrängen und große Angst etwa vor der Familie haben, werden sich auch keiner Behörde anvertrauen", sagt Katharina Heinemeier, die Sprecherin der Evangelischen Stiftung Neuerkerode, wo sowohl die vertrauliche Geburt als auch eine Babyklappe angeboten werden. Daher sei es aus ihrer Sicht wichtig, dass die Babyklappe auch weiterhin als letzte Option bestehen bleibe.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 07.10.2016 | 12:30 Uhr

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