Stand: 17.04.2018 09:26 Uhr

Mit Leidenschaft für die gerade Furche

von Tina Alfes

Ein unscheinbarer Acker im Nienburger Land. Aufgeteilt in 100 mal 20 Meter große Parzellen. Akribisch wird jede von einem Trecker bearbeitet. Erst eine Spaltfurche aufklappen, dann einen Damm hineinpflügen. Schon das Vokabular - eine Welt für sich. Bei den Deutschen Meisterschaften im Leistungspflügen in der Samtgemeinde Steimbke haben sich am Wochenende 26 Junglandwirte in zwei Disziplinen gemessen. Es ging um nicht weniger als die Qualifikation für die Weltmeisterschaften.

Trecker auf Acker.

Leistungspflüger messen sich in Steimbke

Hallo Niedersachsen -

In Niedersachsen ist Pflügen nicht nur Landwirtschaft, sondern auch Sport: Bei den Deutschen Meisterschaften im Leistungspflügen ging es um Präzisionsarbeit auf dem Acker.

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Es geht um Millimeter

Hochkonzentriert sitzen die Teilnehmer bei der Prüfung auf ihrem Trecker. Die Augen meist aus dem Rückfenster gerichtet, den Pflug genau im Blick. Es geht um Millimeter. Aber auch um Mathematik. Denn nur, wer sein Feld perfekt in gleichmäßige Bahnen aufteilt, der kann die Höchstpunktzahl erreichen.

Ersatzteile für die Konkurrenz

Doch bei allem Ehrgeiz nehmen sie sich hier nicht allzu ernst - und helfen der Konkurrenz beispielsweise mit Ersatzteilen. So fährt die 20-jährige Sophia Engelke aus Langenhagen mit Scherblättern von den Kollegen aus dem Westerwald. Ihre waren in den Trainingstagen hier bei Nienburg kaputtgegangen. "Es ist eine schöne Gemeinschaft, die im Laufe der letzten Tage richtig zusammengewachsen ist." Sophia Engelke, Auszubildende der Landwirtschaft auf einem Hof bei Stade. Das Leistungspflügen hat in ihrer Familie Tradition. Vor fünfzig Jahren gründete ihr Opa die Pflügergemeinschaft Kaltenweide, eine von zwei Pflügergemeinschaften in Niedersachsen. Organisiert sind die Pflüger in Vereinen mit Trainern und Wettkämpfen.

Meisterschaft in Steimbke: Wer pflügt am Besten?

Theorieprüfung mit 40 Fragen in 45 Minuten

Doch zum Pflügen gehört nicht nur die gerade Furche. Am Sonnabend müssen alle Teilnehmer eine Theorieprüfung absolvieren. In 45 Minuten mussten sie 40 Fragen beantworten. Pflanzenbau, Pflügetechnik und Allgemeinwissen. Wer fleißig ist, legt hier schon die Grundlage für ein gutes Ergebnis im Wettbewerb und kann so vielleicht kleinere Ungenauigkeiten auf dem Acker wettmachen.

Drei Stunden lang rauf und runter

Konzentration und Kondition sind am Sonntag gefragt. Nach 30 Millimetern Regen am Vortag und bis kurz vor dem Start nochmal 10 Millimetern ist der Acker eigentlich viel zu nass. Viele Voreinstellungen am Trecker passen nicht mehr. Da ist nun auch eine gute Physis gefragt. Drei Stunden wird gepflügt. Absteigen nach jeder Bahn, Einstellungen mit Kurbel und Schraubenschlüssel ändern, wieder rauf auf den Bock und konzentriert die nächste 100 Meter lange Bahn ziehen.

Gutes Pflügen spart Pflanzenschutzmittel

Eine skurril anmutende Veranstaltung - die jedoch einen ernsten Kern hat: Zwar gibt es mittlerweile technisch hochgerüstete Trecker, die fast voll automatisch fahren, aber wer in der Lage ist, einen Acker perfekt zu pflügen, der kann sich so einiges an Pflanzenschutzmitteln zur Unkrautbekämpfung sparen. Der ersten Furche kommt dabei eine besondere Bedeutung zu - denn diese dient beim Pflügen als Orientierungsgrundlage für die weitere Bearbeitung des Ackers. Dass das Handwerk des Pflügens damit mittlerweile vielleicht wichtiger ist als je zuvor, zeigt sich auch darin, dass Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) selbst die Ehrung aller Pflüger übernimmt.

Niedersachse fährt zur WM

Für Sophia Engelke aus Langenhagen wird es am Ende Platz sechs. Während Luca Deisting aus dem Westerwald den Titel gewinnt, landet der zweite Niedersachse im Feld, Titelverteidiger Florian Sander, auf dem dritten Platz. Er wird Deutschland im Herbst bei den Weltmeisterschaften in Kirchentellingsfurt (Baden-Württemberg) vertreten, weil dafür sein Titelgewinn im Jahr 2016 ausschlaggebend ist. Dann heißt es wieder Spaltfurche aufklappen, Damm hineinpflügen und sich dann möglichst Millimetergenau an das Nachbarfeld heran arbeiten.


17.04.2018 09:05 Uhr

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels ist uns ein Fehler unterlaufen: Die Prüfung wurde durch 30 Millimeter Regen am Vortag und 10 Millimeter Regen am Sonntag erschwert - und nicht durch 30 bzw. 10 Zentimeter Regen. Die Redaktion bittet für diesen Fehler um Entschuldigung.

 

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 16.04.2018 | 19:30 Uhr

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