Stand: 08.03.2020 07:05 Uhr

Landkreis Hameln-Pyrmont wählt neuen Landrat

Eine Foto-Collage zeigt Torsten Schulte, Christopher Emden, Stefan Wittkop und Dirk Adomat. © BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Kreisverband Hameln-Pyrmont/Christopher Emden/SPD/NDR
Um das Amt des Landrats bewerben sich Stefan Wittkop (CDU, oben links), Dirk Adomat (SPD, oben rechts), Torsten Schulte (Grüne, unten links) und Christopher Emden (AfD, unten rechts).

Im Landkreis Hameln-Pyrmont wird am Sonntag ein neuer Landrat gewählt. Vier Männer stellen sich zur Wahl. Die SPD schickt Dirk Adomat ins Rennen, die CDU Stefan Wittkop. Torsten Schulte ist der Kandidat der Grünen. Für die AfD tritt Christopher Emden an. Die Wahl war nötig geworden, weil Vorgänger Tjark Bartels (SPD) im vergangenen Herbst wegen einer Burn-out-Erkrankung aus dem Amt ausgeschieden war. Rund 120.000 Menschen sind zur Wahl aufgerufen. Falls keiner der Kandidaten im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit holt, könnte am 22. März eine Stichwahl folgen.

Vorsichtsmaßnahmen wegen Corona

Wegen des Coronavirus wurden in den Wahllokalen besondere Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Um ausreichend Abstand zwischen Wählern und Wahlhelfern zu gewährleisten, sollten vor den Wahlhelfern zwei Tischreihen aufgebaut, wie eine Sprecherin des Landkreises mitteilte. Zudem werde regelmäßig gelüftet. Es sei auch zu empfehlen, zur Wahl den eigenen Kugelschreiber mitzubringen, hieß es.

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Adomat will mit Erfahrung punkten

Der Landtagsabgeordnete Dirk Adomat (SPD) im Porträt. © SPD
Dirk Adomat ist der Landratskandidat der SPD. (Archivbild)

SPD-Kandidat Dirk Adomat, 1960 geboren, ist Diplom-Verwaltungswirt. Zunächst war er rund 30 Jahre in verschiedenen Funktionen im Kreishaus in Hameln tätig. Seit drei Jahren ist er Landtagsabgeordneter für Hameln, Hessisch Oldendorf und Rinteln, außerdem Fraktionschef der SPD im Stadtrat von Hessisch Oldendorf. Den Landkreis Hameln-Pyrmont wolle er "sozialer, nachhaltiger und nachbarschaftlicher gestalten", so der SPD-Kandidat, der laut Wahlkampf-Slogan "Landrat für alle" sein will. Adomat setzt sich für mehr Bürgerbusse und Radwege ein, will die Solarenergie weiter ausbauen und das Tourismusmarketing verbessern. Außerdem fordert er eine Kommission, die den Rückbau des Atomkraftwerkes Grohnde kritisch begleitet. Für die Arbeit an der Spitze der Kreisverwaltung sieht er sich gut vorbereitet: Seit mehr als 30 Jahren arbeite er für die Region und habe viele Erfahrungen gesammelt, so Adomat. Im Kreishaus wolle er vor allem für eine bessere Atmosphäre sorgen, denn die Verwaltung habe in den vergangenen Jahren schwere Zeiten erlebt. "Soziale Medien haben den Umgang miteinander in einem erheblichen Maße verschärft", sagte Adomat NDR 1 Niedersachsen. Er setze sich für mehr Wertschätzung und Respekt ein, damit die Menschen "im Landkreis Hameln-Pyrmont in einer guten Nachbarschaft leben".

Wittkop setzt auf "Neuanfang"

Stefan Wittkop, Niedersächsischer Städte- und Gemeindetag. © NDR
Für die CDU tritt Stefan Wittkop zur Wahl an. (Archivbild)

Volljurist Stefan Wittkop ist 1974 geboren. Sein Slogan im Landratswahlkampf ist ein Hashtag: "#Neuanfang2020". Als einen solchen Neuanfang sieht er seine Kandidatur. Wittkop war Referent der CDU-Fraktion sowohl im Stadtrat von Hannover als auch im Landtag. Außerdem arbeitete er als Referent im niedersächsischen Innenministerium. Wittkop leitete zudem das Büro des damaligen Vorsitzenden der CDU-Fraktion im Landtag, Björn Thümler. Seit 2013 ist er Beigeordneter beim Niedersächsischen Städtetag. Als seine Kernbereiche nennt Wittkop Kommunalrecht, Öffentliches Dienstrecht, Gefahrenabwehrrecht und Tourismus. Unter anderem setzt er sich für ein "attraktives Tarifsystem" im öffentlichen Nahverkehr ein und fordert Elektrozüge auf der Weserbahnstrecke. Eine Abraum-Deponie im Steinbruch Ith lehnt er ab. Besonders wichtig sei ihm, Ansprechpartner für die Wirtschaft zu sein, sagte Wittkop NDR 1 Niedersachsen. Außerdem schlägt er ein kommunales Investitionsprogramm vor. Die Herausforderungen Klimaschutz, besserer ÖPNV und Sanierung von Schulen könne der Landkreis alleine nicht schaffen, so Wittkop. "Da brauchen wir ein kommunales Investitionsprogramm auf Landesebene. Dafür werde ich mich gemeinsam mit den kommunalen Spitzenverbänden einsetzen."

Fünf Fragen an ...

Schulte versucht es noch mal

Landratskandidat Torsten Schulte (BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN) lächelt in die Kamera. © BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN Kreisverband Hameln-Pyrmont
Der stellvertretende Landrat Torsten Schulte ist der Kandidat der Grünen.

Grünen-Kandidat Torsten Schulte ist Bankkaufmann und 1969 geboren. Er sitzt im Kreistag von Hameln-Pyrmont und im Stadtrat von Hessisch Oldendorf. Er ist außerdem einer der stellvertretenden Landräte. Bereits 2013 war Schulte als Landratskandidat angetreten, SPD-Bewerber Tjark Bartels entschied die Wahl jedoch für sich. Nach seiner Nominierung durch den Grünen-Kreisverband im Dezember sagte Schulte dem Kreisverband zufolge, er werde im Wahlkampf "mit voller Kraft für unsere grünen Ziele für eine zukunftsorientierte und nachhaltige Entwicklung des Landkreises werben."

Emden fordert respektvollen Umgang

Christopher Emden steht vor einem blauen Hintergrund im Porträt. © Christopher Emden
Christopher Emden geht in Hameln-Pyrmont für die AfD ins Rennen.

Christopher Emden, geboren 1977, ist Richter und sitzt für die AfD im Niedersächsischen Landtag. Der Kandidat sei als junger Vater, Richter und Landtagsabgeordneter ein "Glücksfall", sagte die Vorsitzende des AfD-Kreisverbands Weserbergland, Delia Klages. Emden könne "mit seiner juristischen Kompetenz die Kreisverwaltung nach innen erstklassig führen und mit seiner politischen Kompetenz die Interessen des Landkreises nach außen effektiv vertreten." Emden selbst sagte bei einer Podiumsdiskussion, es sei wichtig, "dass man trotz unterschiedlicher Meinungen respektvoll miteinander umgeht".

Nach Lügde: Landrat Bartels gibt Amt auf

Der bisherige Landrat Tjark Bartels (SPD) war im Oktober wegen Dienstunfähigkeit in den Ruhestand versetzt worden. Kurz zuvor hatte er seinen Rücktritt aufgrund einer Burn-out-Erkrankung angekündigt. Der Landrat hatte im Zusammenhang mit dem massenhaften Kindesmissbrauch in Lügde nahe Bad Pyrmont viel Kritik einstecken müssen. Mehrfach räumte Bartels Fehler seiner Behörde ein. Die Reaktionen vor allem im Internet dürften einen großen Anteil an seinem Rückzug gehabt haben: Als er diesen ankündigte, kritisierte Bartels den Umgangston in sozialen Medien. Politiker seien Beschimpfungen, auch in übler Form, gewohnt. "Auch ich habe das jahrelang ausgehalten. Im Fall Lügde war meine Grenze deutlich überschritten", erklärte Bartels. Er war von Oktober 2013 bis 2019 Landrat von Hameln-Pyrmont.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 08.03.2020 | 19:30 Uhr

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