Stand: 27.03.2018 21:05 Uhr

Land will Messerangriffe in Statistik aufnehmen

Wie häufig werden bei Verbrechen in Niedersachsen Stichwaffen genutzt? Konkrete Daten, die diese Frage beantworten, gibt es bislang nicht. Das soll sich nun ändern: Polizeibeamte sollen künftig nicht nur verbindlich erfassen können, ob eine Schusswaffe bei einer Tat eine Rolle gespielt hat, sondern auch im Computer als Tatwaffe "Messer" anklicken können. Das niedersächsische Innenministerium erarbeitet laut NDR 1 Niedersachsen dazu gerade die Details. Auslöser seien die Attacken in den vergangenen Tagen und Wochen gewesen, sagte Svenja Mischel, Sprecherin im Innenministerium, am Dienstag. "Wir wollen wissen, wie die tatsächlichen Zahlen aussehen."

GdP fordert entsprechende Statistiken

Mit dem Vorhaben, über das zunächst die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtete, geht das Ministerium in dieselbe Richtung wie die Gewerkschaft der Polizei (GdP). Die hatte unmittelbar nach der Messerattacke in Großburgwedel gefordert, Messerangriffe in die Statistik aufzunehmen. Es sei zu beobachten, dass zunehmend Jugendliche und Heranwachsende Messer bei sich trügen, erklärte Dietmar Schilff, Landeschef der Gewerkschaft. "Wir sehen darin einen neuen gefährlichen Trend, da sich in Sekundenbruchteilen lebensgefährliche Situationen entwickeln können." Konkrete Zahlen dafür gebe es aber eben nicht.

Auch die Justiz gefragt

Messer als Tatwerkzeuge werden, anders als Schusswaffen, in den meisten Statistiken der Polizei in den Bundesländern bislang nicht erfasst: "Wir müssen wissen, wo vermehrt solche Taten begangen werden und von wem, um reagieren zu können", sagte Schilff. So könnte zum Beispiel das Training für das Verhalten bei Einsätzen besser angepasst werden. Auch die Justiz sei gefragt, durch harte Urteile eine abschreckende Wirkung zu erzielen. Ob junge Migranten häufiger mit Messern bewaffnet sind, wisse die Gewerkschaft nicht.

LKA: Eine Tendenz ist da

Auch wenn das Messer als Tatmittel in der Polizeilichen Kriminalstatistik nicht geführt wird, lässt sich laut Landeskriminalamt (LKA) aus dem Vorgangsbearbeitungssystem (VBS) der Polizei Niedersachsen eine Tendenz ablesen. Anhand der Suchbegriffe "stechen" und "Messer" könnten etwa 1.922 Gewaltdelikte für das Jahr 2017 errechnet werden. Dies seien 2,8 Prozent der Taten im Bereich Mord/Totschlag, Körperverletzung, Bedrohung und Raubtaten. Nach der Auswertung des VBS stieg die Zahl der Gewaltdelikte in Verbindung mit Messerangriffen landesweit von 2014 bis 2016 um jährlich etwa 14 Prozent. Danach fiel sie wieder leicht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Funkbilder | 25.03.2018 | 17:00 Uhr

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