Stand: 17.11.2015 22:22 Uhr

Länderspiel-Absage: De Maizière hält sich bedeckt

"Ich wünsche mir einen Vertrauensvorschuss, dass wir gute, bittere Gründe hatten, das Spiel abzusagen", sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) zur Absage des Länderspiels in Hannover. De Maizière betonte, eine konkrete Beantwortung vieler Fragen zu den Hintergründen und Gründen der Absage könne er derzeit nicht leisten. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) zufolge habe es bislang weder eine Festnahme gegeben noch sei ein Sprengsatz gefunden worden. Dennoch werde die Polizei über Nacht besondere Präsenz im Stadtgebiet zeigen. Es ist "sehr bedauerlich, sehr bitter, dass das Spiel abgesagt werden musste", so Pistorius. Das Spiel hätte ein Zeichen werden sollen, "dass wir vor Terrorismus nicht zurückweichen wollen".

Verdächtiger Gegenstand im Zug entdeckt

Unterdessen bestätigte die Bundespolizei auf Anfrage von NDR.de, dass am Hauptbahnhof ein verdächtiger Gegenstand in einem IC gefunden wurde. Zurzeit sind mehrere Gleise abgesperrt. Ein Sprengstoffspürhund habe angeschlagen, Spezialisten untersuchen den Gegensatz nun genauer.

Absage kam eine Viertelstunde vor Öffnung der Tore

Das Länderspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden wurde heute Abend kurzfristig abgesagt. Rund 15 Minuten vor Öffnung der Tore sei von einer Bundesbehörde der Hinweis gekommen, "dass jemand im Stadion einen Sprengsatz zünden wollte", sagte Hannovers Polizeipräsident Volker Kluwe. Zudem sprach er von einer "konkreten Gefahrenlage für ganz Hannover". Er rate den Menschen in Hannover dazu, in ihren Wohnungen zu bleiben, so Kluwe weiter. Zu den Hintergründen gibt es keine offiziellen Aussagen. Die Deutsche Presse-Agentur will jedoch aus Sicherheitskreisen erfahren haben, dass Islamisten dafür verantwortlich sein sollen.

Stadion ist weiträumig abgesperrt

Nach der Absage des Spiels haben schwer bewaffnete Polizisten das Stadion weiträumig abgesperrt. Mehrere Spezialeinsatzkommandos sind vor Ort. Die Evakuierungszone wurde mit Absperrband mit der Aufschrift "Vorsicht Lebensgefahr" kenntlich gemacht. Zudem war es im U-Bahn-Verkehr zeitweise zu Einschränkungen gekommen. Inzwischen halten nach Informationen der Nahverkehrsbetriebe üstra wieder alle Linien an allen Haltestellen in der Innenstadt.

Lichterkette am Stadion abgebrochen

Die Nachricht kam völlig überraschend. Per Lautsprecherdurchsage wurden die Menschen gegen 19.15 Uhr dazu aufgefordert, "zügig die Heimreise" anzutreten. Auch via Facebook rief die Polizei die Besucher auf, "ohne Panik nach Hause zu gehen". Im Stadion selbst waren noch nicht viele Zuschauer. Allerdings hatten sich gerade mehr als 1.000 Menschen nahe dem Stadion eingefunden, um eine Lichterkette im Gedenken an die Opfer von Paris zu bilden. Unter ihnen waren auch Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) und Landesbischof Ralf Meister.

National-Elf auf dem Weg ins Stadion "umgeleitet"

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft war zum Zeitpunkt der Absage noch nicht im Stadion. Team-Sprecher Jens Grittner erklärte auf Twitter, dass die Mannschaft auf dem Weg ins Stadion von der Polizei "umgeleitet" worden sei und sich an einem sicheren Ort befände. Mehrere Spitzenpolitiker wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) und mehrere Kabinettsmitglieder wollten das Spiel besuchen. Sie wollten nach den schweren Anschlägen am Rande des Länderspiels in Frankreich ihre Solidarität bekunden.

Vorher Fehlalarm wegen eines Koffers

Gegen 18 Uhr hatte die Polizei wegen "eines verdächtigen Gegenstandes" einen Bereich vor dem Stadion abgesperrt und unter anderem Sprengstoffspürhunde angefordert. Kurze Zeit später stellte sich jedoch heraus, dass dieser ungefährlich war. Offenbar handelte es sich um einen herrenlosen Koffer.

Dieses Thema im Programm:

NDR//Aktuell | 17.11.2015 | 22:00 Uhr

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