Stand: 29.01.2020 20:16 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Ladany erzählt "Geschichte der Überlebenden"

Shaul Ladany erzählt die Geschichte seiner Familie im Niedersächsischen Landtag. Als Kind entkam er dem Konzentrationslager Bergen-Belsen.

Der Holocaust-Überlebende Shaul Ladany hat mit seiner Rede im Niedersächsischen Landtag mit seiner persönlichen Lebensgeschichte an die Judenverfolgung zur Zeit des Nationalsozialismus erinnert. "Die Opfer hätten Ihnen die wirklich schlimmen Geschichten erzählen können, ich erzähle Ihnen die Geschichte der Überlebenden", sagte der heute 83-Jährige am Mittwochmorgen in Hannover. Anlass für Ladanys Besuch war der Holocaust-Gedenktag 75 Jahre nach der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz in Polen.

"Sie brauchten eine ganze Kette von Glücksfällen."

Shaul Ladany entkommt 1944 dem Konzentrationslager Bergen-Belsen bei Celle. 28 seiner direkten Verwandten überlebten den Holocaust nicht. "Ich weiß nicht, ob sie jemals das Gefühl hatten, wie es ist, kaum Angehörige zu haben", so Ladany. Um zu überleben, habe es nicht gereicht, ein einziges Mal Glück zu haben, so der 83-Jährige, "Sie brauchten eine ganze Kette von Glücksfällen."

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Shaul Ladany hat nur knapp das Konzentrationslager Bergen-Belsen überlebt. Am Mittwoch hat er seine Geschichte im Niedersächsischen Landtag erzählt. Video (03:11 min)

Ladany von Attentat bei Olympia 1972 betroffen

Im Fall Ladany bezieht sich dies auch auf die Zeit nach dem Nationalsozialismus: 1972 fährt er als Mitglied der israelischen Nationalmannschaft zu den Olympischen Spielen in München. Am 05. September werden elf seiner Teamkollegen durch die palästinensische Terrorgruppe "Schwarzer September" ermordet.

Landtagspräsidentin betont wichtige Rolle von Zeitzeugen

"Heute stellen wieder mehr Menschen die Verbrechen des Nationalsozialismus infrage oder relativieren sie", sagte Landtagspräsidentin Gabriele Andretta (SPD) im Vorfeld. Umso wichtiger sei die Rolle der letzten Zeitzeugen wie Ladany. Vor der Ansprache am Mittwoch erinnerte sie daran, dass zur Zeit des Nationalsozialismus auch viele Orte in Niedersachsen Schauplatz von Verbrechen waren: "Die Verbrechen ereigneten sich in den Städten, in kleinsten Orten, in der Nachbarschaft."

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Shaul Ladany - zweimal dem Tod entkommen

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Shaul Ladany, Ingenieur und Leichtathlet aus Israel, hat nicht nur das KZ Bergen-Belsen überlebt - er entging 1972 auch dem Attentat auf die israelische Olympiamannschaft. Video (03:38 min)

Weil nennt Verhalten der AfD "beschämend"

In der anschließenden Debatte bekannten sich die Abgeordneten von SPD, CDU, FDP und Grünen zum Kampf gegen Antisemitismus und Hetze. Sie betonten: Etwas wie der Holocaust dürfe nie wieder geschehen. Sie beriefen sich auf die Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der am Holocaust-Gedenktag davon sprach, dass die Taten heute andere seien, das Böse aber das selbe. Der von den Fraktionen beschworene Kampf gegen Rechts sei eigentlich ein Kampf gegen die AfD, insistierte der AfD-Abgeordnete Klaus Wichmann. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) nannte es beschämend, dass die AfD die Debatte auf sich selbst beziehe.

Ausstellung im Landtag

Ladany wurde 1936 in Belgrad im heutigen Serbien geboren und war acht Jahre alt, als seine Familie ins KZ Bergen-Belsen deportiert wurde. Er gehörte zu den wenigen jüdischen Insassen, die durch Verhandlungen des Journalisten Rudolf Kasztner und jüdischer Organisationen gegen Geldzahlungen in die Schweiz ausreisen durften. Seitdem er 13 Jahre alt ist, sammelt Ladany Dokumente aus dem Konzentrationslager und zum Attentat bei Olympia 1972. Seine Erinnerungsstücke sind vom 3. bis zum 6. Februar in einer Wanderausstellung im Niedersächsischen Landtag in Hannover zu sehen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 29.01.2020 | 09:00 Uhr

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