Stand: 08.03.2018 10:59 Uhr

Kommentar: Frauen-Quote auch in Vorständen

von Hilke Janssen

In Deutschland erhalten Frauen weniger Lohn als Männer. In Niedersachsen ist der Unterschied noch größer als im Bundesschnitt. In Spitzenpositionen großer Unternehmen sind Frauen unterrepräsentiert. Eine Quote für Aufsichtsräte hat bislang wenig bewirkt. Diese greift auch zu kurz.

Ein Kommentar von Hilke Janssen, Redaktion Landespolitik, NDR 1 Niedersachsen

Die Führungsetagen der Unternehmen werden weiblicher. Das klingt erst mal gut, ist aber Augenwischerei. Denn: Die großen Firmen befördern vor allem dort Frauen in hohe Positionen, wo sie gezwungen sind - und wo es nicht weh tut: nämlich in den Aufsichtsräten. Nur dort gilt seit einigen Jahren eine feste Quote von 30 Prozent.

Unglaubwürdige Behauptungen

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Es muss auch für Manager und Vorstände eine gesetzliche Frauen-Quote geben, meint Hilke Janssen.

Viel bewegt hat diese Quote nicht. Ein Aufsichtsrat trifft sich nur einige Male im Jahr und berät im kleinen Kreis im Geheimen. Mit dem Alltag in den Unternehmen haben die obersten Kontrolleure praktisch nichts zu tun. Und genau da hakt es: Wenn Frauen Karriere machen wollen und sollen, brauchen sie Vorbilder - wie die Teamleiterin, die Prokuristin oder die Chefin der Finanzabteilung. Frauen also, die jeden Tag präsent sind und entscheiden. Dass Chefs heute immer noch behaupten, es gäbe keinen weiblichen Nachwuchs, ist unglaubwürdig - und nervt einfach nur. Ich finde es ermüdend, dass wir im Jahr 2018 darüber überhaupt noch diskutieren müssen.

Quote auch für Manager und Vorstände

Wenn weibliche Führungskräfte normal werden sollen, muss es auch für Manager und Vorstände eine gesetzliche Frauen-Quote geben. Anders geht es nicht. Schade, dass wir auf die erste Vorstandsvorsitzende in einem der großen niedersächsischen Unternehmen wohl noch sehr lange warten müssen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 08.03.2018 | 08:00 Uhr

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