Stand: 08.03.2020 12:00 Uhr  - Hallo Niedersachsen

Gleichstellung: Kabinett hat noch Luft nach oben

von Marie-Caroline Chlebosch und Björn Schwentker
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Sozialministerin Carola Reimann: "Frauenförderung ganz oben auf der Tagesordnung". (Archivbild)

Frauen in Führungspositionen sind in vielen niedersächsischen Ministerien sowie in der Staatskanzlei noch deutlich unterrepräsentiert - und das, obwohl 57 Prozent der Beschäftigten weiblich sind. Nur 37 Prozent der Führungskräfte sind Frauen. Das ergab eine NDR Abfrage unter den Ministerien und die Auswertung der ressorteigenen Organigramme durch ein vom NDR speziell entwickeltes Daten-Tool. Als Führungspositionen wurden dabei die Ministerämter, die Ämter der Staatssekretärinnen und Staatsekretäre sowie Abteilungs- und Referatsleitungen betrachtet. Auf den ersten Blick sehen die 37 Prozent gar nicht so schlecht aus, betrachtet man allerdings die einzelnen Ressorts, werden starke Unterschiede deutlich.

Staatskanzlei und Innenministerium schneiden am schlechtesten ab

Auf den hinteren Plätzen, mit 30 Prozent oder weniger Frauenanteil, liegen das Umweltministerium, das Ministerium für Europa- und Bundesangelegenheiten sowie das Innenministerium. Alle sind SPD-geführt. "Ich bin mit der Situation noch nicht zufrieden, mit der Entwicklung der letzten sieben Jahre aber sehr wohl", sagt Innenminister Boris Pistorius, SPD, zu den 28 Prozent in seinem Ressort. Er hatte das Innenministerium 2013 von der CDU übernommen. "Wir haben heute dreimal so viele Frauen in den Referatsleitungen. Das ist eine beachtliche Entwicklung, aber die Entwicklung darf hier nicht zu Ende sein", sagt Pistorius. Aber: Im Innenministerium ist nur eine von sechs Abteilungsleitungen mit einer Frau besetzt. Schlusslicht beim Frauenanteil ist die Staatskanzlei mit gerade einmal 26 Prozent Frauen in Leitungsfunktionen.

Zu wenig weibliche Führungskräfte in Ministerien

Hallo Niedersachsen -

Mehr als die Hälfte der Beschäftigten in Niedersachsens Landesministerien sind Frauen. Aber: Nur 37 Prozent der Führungskräfte sind weiblich. Das ergab ein Abfrage des NDR.

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Gleichstellungsministerium wird seinem Namen gerecht

Die CDU-geführten Ministerien mit den Ressorts Wirtschaft, Finanzen, Justiz und Landwirtschaft liegen im Mittelfeld zwischen 30 und 40 Prozent. In nahezu gleichem Umfang nehmen Frauen und Männer im Kultusministerium von Grant Hendrik Tonne (SPD) und im Wissenschaftsministerium von Björn Thümler (CDU) Leitungspositionen ein. Das Sozial- und Gleichstellungsministerium wird seinem Namen durchaus gerecht, denn 53 Prozent der Führungskräfte sind weiblich. "Hier ist Frauenförderung ganz oben auf der Tagesordnung", sagt Sozialministerin Carola Reimann (SPD). Bei Neueinstellungen werde darauf geachtet, dass ausreichend Frauen unter den Bewerbungen seien. "Ich wünsche mir, dass das auch in anderen Ministerien beherzigt wird. Ich appelliere natürlich auch regelmäßig an die Kolleginnen und Kollegen, erst recht, weil wir das ja selbst auch erfassen", sagt Reimann. "Die Ergebnisse legen wir allen vor und weisen dann sehr darauf hin, dass da noch Veränderungsbedarf ist." Die Politik habe eine Vorbildfunktion für Wirtschaft und Gesellschaft. Im Vergleich zum Bund bewegt sich Niedersachsen etwa auf dem gleichen Niveau. Dort sind 36 Prozent der Führungsposten mit Frauen besetzt. Die Zahl stammt aus einer kürzlich veröffentlichten Erhebung für den Gleichstellungindex aus dem Jahr 2019.

Diversitätsforscherin: "Karriere macht man nicht in Teilzeit"

Die Direktorin des Instituts für Diversitätsforschung an der Universität Göttingen, Professorin Andrea Dorothea Bührmann, bewertet die Ergebnisse als Schritt in die richtige Richtung und doch sieht sie Nachholbedarf: "In den Ministerien werden Gesetze vorbereitet und dabei ist es wichtig, dass unterschiedliche Perspektiven eine Rolle spielen, denn das sind ja nicht nur Gesetze für eine bestimmte Klientel, sondern Gesetze für alle." Gleichstellung und Diversität seien daher unabdingbar. Es müsse auch noch stärker daran gearbeitet werden, Rollenklischees abzubauen. "Frauen haben es noch immer schwieriger, weil sie ständig gegen das Klischee ankämpfen müssen, sie sind eher emotional als rational, eher friedliebend als entscheidungsstark", sagt Prof. Bührmann. Und noch ein Punkt sei wichtig: "Karriere macht man nicht in Teilzeit". Deshalb müssten die Betreuungsmöglichkeiten für Kinder, wie auch die Unterstützung bei der Pflege von Angehörigen weiter ausgebaut werden. Nur so bekämen Frauen die Chance, Vollzeit eine Führungsposition zu übernehmen.

 

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Hallo Niedersachsen | 08.03.2020 | 19:30 Uhr

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