Stand: 13.12.2019 14:40 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Jugendliche missbraucht? Priester beurlaubt

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Die Frau gibt an, im Alter von 15 bis 18 Jahren von dem Priester missbraucht worden zu sein. (Themenbild)

Im Bistum Hildesheim gibt es einen neuen Vorwurf von sexualisierter Gewalt: Eine Frau hat bereits im November gemeldet, dass sie Anfang der 80er-Jahre von einem Priester missbraucht wurde. Diesen Fall hat das Bistum am Freitag bekannt gegeben. Die Taten sollen sich zwischen ihrem 14. und 18. Lebensjahr ereignet haben. Bischof Heiner Wilmer, der schon seit Langem Betroffene dazu aufruft, sich bei speziellen Ansprechpartnern zu melden, hat den beschuldigten Geistlichen auf dessen Wunsch hin beurlaubt. Zudem stellte das Bistum eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Hildesheim.

Ist der Fall bereits verjährt?

Die Staatsanwaltschaft prüft nun laut einer Sprecherin, ob ein strafbares Verhalten vorgelegen hat und ob dieses strafrechtlich noch verfolgt werden kann. Es könne jedoch sein, dass in dem Fall bereits Verjährung eingetreten sei, sagte die Sprecherin. Unabhängig von den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft prüft das Bistum auch, ob es ein kirchenrechtliches Verfahren gegen den Geistlichen geben wird. Dazu wurde ein von der Kirche unabhängiger, bereits pensionierter Berufsrichter mit der Voruntersuchung beauftragt. Er werde den Geistlichen in Kürze zu den Vorwürfen befragen. Über das Ergebnis will das Bistum die Öffentlichkeit informieren.

Frau führt persönliches Gespräch

Die Frau hatte sich Anfang November an eine der vier Ansprechpartner für Verdachtsfälle des sexuellen Missbrauchs gewendet. Ende November führte die Ansprechperson laut Bistum ein persönliches Gespräch mit der Betroffen. Anschließend hat der Bischöfliche Beraterstab über den Fall diskutiert und Bischof Wilmer empfohlen, den Vorwürfen nachzugehen und den beschuldigten Geistlichen zu beurlauben. Die Mitarbeiter und die Gremien der Pfarrgemeinden, in denen der Priester tätig ist, wurden nach Angaben des Bistums am Donnerstag über die Vorwürfe informiert.

30 Menschen kontaktieren Ansprechpartner

Details zu dem Geistlichen, seiner Pfarrgemeinde und der Betroffenen will das Bistum zum Schutz der Persönlichkeitsrechte nicht bekannt geben. Nach Auskunft des Bistums haben sich in diesem Jahr 30 Menschen an die Ansprechpartner für Verdachtsfälle des sexuellen Missbrauchs gewendet. Meist seien die angezeigten Fälle aber nicht strafrechtlich relevant gewesen. Einige Vorfälle hätten andere Bistümer betroffen und seien dorthin weitergeleitet worden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 13.12.2019 | 17:00 Uhr

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