Stand: 25.05.2020 21:28 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Jugendamt: Lügde-Ausschuss will Aussage erzwingen

Bild vergrößern
Hamelns Landrat Dirk Adomat (SPD) will den Untersuchungsausschuss in Nordrhein-Westfalen weiter unterstützen. (Themenbild)

Der Untersuchungsausschuss im nordrhein-westfälischen Landtag zum Missbrauchsskandal auf einem Campingplatz in Lügde will eine Zeugin per Klage dazu zwingen, doch noch auszusagen. Wie ihre Kollegen hatte die Mitarbeiterin des Jugendamts im Landkreis Hameln-Pyrmont am Montag vor dem Ausschuss geschwiegen und sich dabei auf das Zeugnisverweigerungsrecht berufen. Daraufhin habe der Vorsitzende angekündigt, ein Ordnungsgeld zu verhängen, berichtet NDR 1 Niedersachsen. Die Angelegenheit solle nun vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf geklärt werden.

Scharfe Kritik von Opfer-Anwalt

Das Jugendamt Hameln-Pyrmont hatte ein Kind zu dem mittlerweile verurteilten Haupttäter Andreas V. auf den Campingplatz in Lügde in Pflege gegeben. Roman von Alvensleben, der Anwalt eines der Opfer, kritisierte das Schweigen der Behördenmitarbeiter vor dem Ausschuss. "Es wäre am besten, wenn es ein Auskunftsverweigerungsrecht in solchen Fällen nicht geben würde", sagte er. Schließlich solle doch aufgeklärt werden, was schiefgelaufen sei und wie man es besser machen könne, so der Anwalt. Und auch für die Opfer und deren Eltern sei das Verhalten der Jugendamtsmitarbeiter schwer zu verstehen. Diese hätten noch immer viele Fragen. "Wenn man sagt, 'wir sagen nichts - obwohl wir die Verantwortung dafür getragen haben, was passiert ist', dann ist das unschön und nicht im Sinne der Opfer", so von Alvensleben bei NDR 1 Niedersachsen.

Landrat: Mitarbeiter nicht beeinflusst

Nachdem bekannt geworden war, dass die Jugendamtsmitarbeiter die Aussage verweigern, hatte Hamelns Landrat Dirk Adomat (SPD) gesagt, dass dies die Mitarbeiter persönlich entschieden hätten. Er selbst habe keinen Einfluss auf die Entscheidung der Mitarbeiter genommen, so der Landrat in einer Mitteilung. Laut Adomat wird der Landkreis Hameln-Pyrmont den Ausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags weiter unterstützen.

Links
Link

Lügde: Jugendamtsmitarbeiter verweigern Aussage

Im Fall Lügde kann der Untersuchungsausschuss des NRW-Landtags die Aufklärung nicht wie geplant fortsetzen. Mitarbeiter des Jugendamtes Hameln verweigern die Aussage. Mehr bei tagesschau.de. extern

Link

Tagesschau: Konkreter Verdacht schon vor 17 Jahren

Einer der Verdächtigen im Missbrauchsfall von Lügde geriet bereits 2002 ins Visier der Polizei. Doch trotz eindeutiger Zeugenaussagen verliefen die Ermittlungen offenbar im Sande. Mehr dazu bei tagesschau.de. extern

Link

Hilfeportal sexueller Missbrauch

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bietet Hilfe bei sexuellem Missbrauch an. Über ein Hilfetelefon kann Rat und Beistand geleistet werden. extern

Weitere Informationen

Welche Beratungsstellen bieten Opferhilfe?

02.09.2013 22:00 Uhr

Für Missbrauchs-Opfer ist es nicht einfach, geeignete Therapeuten zu finden. Fachberatungen und Betroffenen-Vertretungen können dabei helfen. Ein Überblick. mehr

Lügde: Hamelner Jugendamt im Kreuzfeuer der Kritik

06.05.2019 14:00 Uhr

Vertreter von CDU und FDP haben nach den neuerlichen Vorwürfen im Missbrauchsskandal von Lügde deutliche Kritik am Hamelner Jugendamt geübt. Die CDU fordert einen Sonderermittler. mehr

Missbrauch in Lügde: Was wusste das Jugendamt?

15.03.2019 14:30 Uhr

Der Landkreis Hameln-Pyrmont hat Akten zum Missbrauchsfall in Lügde von der Staatsanwaltschaft zurückerhalten. Es will nun prüfen, wann dem Jugendamt welche Informationen vorlagen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 26.05.2020 | 06:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

06:06
Hallo Niedersachsen
03:27
Hallo Niedersachsen
03:01
Hallo Niedersachsen