Stand: 19.09.2019 15:46 Uhr

Jagd auf Rodewalder Wolf: Kosten gerechtfertigt?

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Seit Januar wird ein auffälliger Wolf aus dem Landkreis Nienburg gesucht - bislang erfolglos.

150.000 Euro könnte die bisher erfolglose Jagd auf den Leitwolf des Rudels in Rodewald verschlingen - und das nur für einen einzigen Posten. Allein für einen nicht näher bezeichneten Dienstleister werde diese Summe ausgegeben, kritisierte der Grünen-Landtagsabgeordnete Christian Meyer am Dienstag. Die Summe nennt die Landesregierung in ihrer Antwort auf eine Anfrage Meyers und des Grünen-Abgeordneten Helge Limburg. Niedersachsens Umweltministerium weist darauf hin, dass diese Summe "nur eine Planungsgröße" darstellt. Der Betrag sei vorsorglich im Haushalt eingestellt.

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Landesregierung fürchtet Angriffe auf Beteiligte

Im August hatte die Landesregierung mitgeteilt, dass bis dahin 83.000 Euro für die Suche nach dem Tier aus dem Landkreis Nienburg ausgegeben worden seien, ein Großteil davon für den erwähnten Dienstleister. Was dieser genau tut, bleibt unklar. Eine Ministeriumssprecherin erklärte NDR.de seinerzeit, es sei jemand, der das Land bei der "Individualisierung und dem Entnahme-Verfahren unterstützt".

Auf die Frage der Grünen, was der Dienstleister tue, um des Wolfs habhaft zu werden, antwortet die Landesregierung jetzt: "Es erfolgt ein intensives Monitoring des Geländes; außerdem werden Wildkameras eingesetzt. Im Übrigen äußert sich die Landesregierung, um den Erfolg der Maßnahmen sowie die damit befassten Personen nicht zu gefährden, nicht zu Details des Vorgehens." Es müssten Angriffe auf Beteiligte an der Entnahme - so heißt die Tötung offiziell - befürchtet werden. Eine "in den sozialen Medien geschürte Missachtung der staatlichen Entnahmeentscheidung" sei der Grund dafür.

Faust © Andreas Garrels Foto: Andreas Garrels

Rodewald und der Wolf

NDR 1 Niedersachsen - Jetzt reicht's -

Der Rodewalder Wolf, auch GW717m genannt, hat zahlreiche Nutztiere gerissen. Seit Monaten ist sein Abschuss genehmigt. In der Sendung diskutieren Befürworter und Gegner.

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Meyer: Prävention wichtiger als Jagd auf Einzeltier

Seit Januar wird die Abschussgenehmigung für den Wolf Monat für Monat verlängert. Umweltminister Olaf Lies (SPD) habe sich "verrannt", kritisiert Meyer. Der gesuchte Wolf habe "kaum weitere Schäden verursacht", argumentieren die Grünen. Meyer fordert, das Geld lieber in Präventionsmaßnahmen zu stecken. Die Kosten der Jagd auf den einen Wolf übersteigen demnach "alle Schäden durch Wölfe im ganzen Land". Von der Landesregierung heißt es jedoch, dass die Fortsetzung der Suche notwendig sei. Der Sachverhalt sei unverändert: Der Wolfsrüde könne nach wie vor Nutztiere reißen. Und nicht nur das: "Es ist zu erwarten, dass er diese Fähigkeit weiter verfeinert und an andere Tiere des Rudels weitergibt."

Ministerium: Sowohl Herdenschutz als auch Entnahme wichtig

Selbstverständlich sei es sinnvoll, den Herdenschutz an die "neue Bedrohungslage durch Wölfe anzupassen", teilte Gunars Reichenbachs, Sprecher des Umweltministeriums, am Donnerstag auf Nachfrage von NDR.de mit. Es gehe aber nicht darum, sich für das eine oder das andere zu entscheiden. Wenn das Land eine Entnahme für notwendig erachte, handele es sich dabei um "eine ordnungsrechtliche Entscheidung". "Deren Umsetzung steht nicht in Konkurrenz zu anderen Maßnahmen, wie zum Beispiel der Verstärkung von Herdenschutzmaßnahmen, die vom Land in erheblichem Umfang gefördert werden", betonte Reichenbachs. Bei der Umsetzung einer solchen Entscheidung sind die Kosten im Übrigen laut Ministerium zweitrangig.

Rodewalder "Problemwolf"

  • Am 31. Januar wurde bekannt, dass das Umweltministerium den Wolf mit dem genetischen Code "GW717m" zum Abschuss freigegeben hat. Die Ausnahmegenehmigung gelte bereits seit dem 23. Januar, hieß es. Die Sachlage sei juristisch geprüft und bewertet worden.
  • Umweltminister Olaf Lies (SPD) bezeichnete den Abschuss des Rüden, der einem Rudel bei Rodewald im Landkreis Nienburg angehört, als notwendig. Das Tier soll laut Ministerium für etwa 40 getötete Nutztiere, darunter Schafe, Ponys und ein Alpaka, verantwortlich sein.
  • Mit "GW717m" hat Niedersachsen zum zweiten Mal einen Wolf zum Abschuss freigegeben. Im April 2016 war ein Wolf mit dem Spitznamen "Kurti" mit behördlicher Genehmigung abgeschossen worden. Er hatte einen Hund angegriffen und zeigte zu wenig Scheu vor Menschen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Funkbilder | 12.09.2019 | 16:00 Uhr

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