Stand: 13.11.2018 18:24 Uhr

Insulin-Morde: Pfleger tötete auch in Norddeutschland

Eine weitere Mordserie im Gesundheitswesen erschüttert Deutschland. Nach Krankenpfleger Niels Högel soll ein 36-jähriger Hilfspfleger deutschlandweit sechs Menschen durch die Injektion von Insulin umgebracht haben. Nach der Festnahme im Februar 2018 in Ottobrunn bei München deckten weitreichende öffentlichkeitswirksame Ermittlungen unbekannte Taten auf. Der Mann, der zu 24-Stunden-Hausbetreuungen eingesetzt war, tötete laut Ermittler auch dreimal im Norden: Am 30. Juli 2017 starb einen 66-jährigen Mann in Hannover. Zwei weitere Todesopfer wohnten in Hamburg und Schleswig-Holstein. Fahnder ermittelten 68 Orte, an denen der Beschuldigte im Tatzeitraum gearbeitet hat.

Motive: Heimtücke, Habgier, niedrige Beweggründe

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Der Leiter der Münchner Mordkommission Josef Wimmer äußert sich gegenüber Pressevertretern.

Die Vorwürfe sind gravierend: Sechsfacher Mord und je dreifacher versuchter Mord und schwere Körperverletzung. Die Staatsanwaltschaft München sieht vier Mordmerkmale erfüllt. "Wir gehen von Heimtücke, Habgier, niedrige Beweggründe und der Verdeckung von Straftaten aus", sagt Oberstaatsanwältin Anne Leiding gegenüber NDR.de. Der Mann, der als ungelernte Pflegehilfskraft von polnischen und slowakischen Agenturen an deutsche Pflegedienste vermittelt wurde, soll seine Opfer zudem bestohlen haben. Der Beschuldigte räumt in den zwölf Fällen die Insulin-Gabe ein, bestreitet aber einen Tötungsvorsatz.

Taten zwischen April 2017 bis Februar 2018

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Die Tötungsserie begann im April 2017 im Landkreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein. Dort tötete und bestahl er einen 77-Jährigen. Im Februar 2018 wurde er in Ottobrunn bei München überführt. Aufmerksame Retter alarmierten nach misslungener Reanimation die Polizei, die die Leiche für die Rechtsmedizin beschlagnahmte. Dort wurden die Einstiche entdeckt. Der mutmaßliche Täter ist Diabetiker, bekam wenige Monate vor Beginn der Serie eine Insulin-Spritze und war demnach über Risiken und den Umgang mit dem Medikament unterrichtet. "Wir sind uns recht sicher, dass wir alle Taten aufgeklärt haben", sagte Justizsprecherin Leiding. "Wir bereiten jetzt die Anklage vor."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 13.11.2018 | 16:00 Uhr

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