Patientin einer Risikogruppe mit internationale Impfbescheinigung in den Händen. © picture alliance/Eibner-Pressefoto/Fleig/Eibner-Pressefoto Foto: Fleig

Impftermin-Vergabe: Hält das Portal dem Andrang stand?

Stand: 27.01.2021 09:19 Uhr

Am Donnerstag startet in Niedersachsen die Vergabe für Impftermine. Der Krisenstab befürchtet Probleme mit der Online-Plattform. Der Chaos Computer Club kritisiert das Land für digitale Pannen.

Nordrhein-Westfalen hat es schlecht vorgemacht: Minuten nach der Freischaltung der digitalen Plattform brach diese zusammen. Nun rechnet auch der niedersächsische Corona-Krisenstab damit, dass ab morgen sowohl die Homepage als auch die Impf-Hotline dem anfänglichen Ansturm nicht gewachsen sein werden, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. So warb Krisenstabs-Leiter Heiger Scholz bereits vorab um Verständnis. Das kann Falk Garbsch, Sprecher des Chaos Computer Clubs (CCC), nicht nachvollziehen. Er finde es bedenklich, dass dieses Versagen vorab von Politikern und Behörden angekündigt werde. Diese und weitere digitalen Pannen seien ein klares Zeichen dafür, "dass die Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung in den letzten zehn, fünfzehn Jahren einfach verschlafen wurde", sagte Garbsch dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Immer wieder Abstürze bei digitalen Systemen

Falk Garbsch © Falk Garbsch
Falk Garbsch vom Chaos Computer Club kritisiert die Digitalkompetenzen der Landesregierung in der Pandemie.

Der CCC-Experte bemängelte, dass öffentliche digitale Systeme seit Beginn der Corona-Pandemie immer wieder versagt hätten. So seien die Plattform für die Soforthilfen für Unternehmen und die E-Learning-Plattformen für Schulen mehrfach zusammengebrochen. "Offensichtlich fehlen die Konzepte, mit solchen System umzugehen", sagte Garbsch. Zahlreiche Online-Dienste zeigten, dass es durchaus möglich sei, mit großen Nutzerlasten klarzukommen, so der Computer-Experte. "Die großen sozialen Netzwerke machen den ganzen Tag nichts anderes", sagte Garbsch. Offenbar seien die von den Ländern beauftragten Firmen der Aufgabe nicht gewachsen.

Garbsch sieht in dezentralen Plattformen mehr Sicherheit

Garbsch empfiehlt, entsprechende Seiten dezentral zu betreiben. "Warum schafft man zum Beispiel nicht auf kommunaler Ebene E-Learning-Plattformen für Schulen an, anstatt so etwas auf Deutschland- oder Landesebene anzubieten?", fragte Garbsch. Die Vorteile lägen auf der Hand: Wenn es Zusammenbrüche gebe, seien nicht alle Schulen betroffen. Zudem sinken die Risiken bei kleineren Systemen. Um den Kreis zur Impftermin-Vergabe zu schließen: Der CCC-Sprecher glaubt, dass es für Nutzer und Betreiber einfacher und risikoärmer wäre, die Termine für die Impfzentren der Landkreise dezentral zu vergeben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 26.01.2021 | 18:00 Uhr

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