Eine Frau verabreicht eine Impfung durch ein Autofenster hindurch. © dpa-Bildfunk Foto: Swen Pförtner

Impf-Wochenende in Niedersachsen: Erfolgreich oder unsinnig?

Stand: 26.04.2021 15:00 Uhr

Die Impfzentren in Niedersachsen haben am Wochenende 74.562 Menschen gegen Corona geimpft - und damit die Erwartungen des Sozialministeriums übertroffen. Einige Landkreise kritisieren die Aktion.

"Ich freue mich sehr, dass so viele Niedersächsinnen und Niedersachsen nun innerhalb kürzester Zeit eine Schutzimpfung erhalten haben", sagte Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) am Montag. 23,4 Prozent der Menschen im Land hätten mindestens eine Impfung gegen das Coronavirus erhalten. Damit belege Niedersachsen bei den Erstimpfungen im bundesweiten Vergleich inzwischen den achten Platz. Zuvor hatte das Land lange Zeit einen der letzten Ränge belegt.

Impfzentrum Emden musste im Vorfeld vier Tage schließen

Die positive Bilanz des Ministeriums können allerdings nicht alle Kommunen teilen. Die Stadt Emden etwa hatte ihr Impfzentrum im Vorfeld der Aktion vier Tage lang schließen müssen, um genügend Impfstoff für das Wochenende zu haben. Emdens Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) ist deshalb sauer auf das Land. Er habe darum gebeten, zusätzlichen Impfstoff zu erhalten oder den vorhandenen Impfstoff vorher verabreichen zu dürfen - ohne Erfolg. Die 870 Emder, die nun am Wochenende geimpft worden seien, hätte das Impfzentrum laut Kruithoff auch locker unter der Woche geschafft. "Ich denke, das ist eine reine PR-Maßnahme, weil man eben gesehen hat, dass die Impfleistung am Wochenende zurückgeht." Wenn aber von Montag bis Freitag bereits der gesamte Impfstoff verimpft werde, gebe es keinen Grund, jemanden am Wochenende arbeiten zu lassen.

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Osnabrück fehlt Impfstoff für die kommenden Tage

In vier Impfzentren, unter anderem das in Vechta, ist schon am Samstagabend der Impfstoff ausgegangen und deshalb am Sonntag gar nicht mehr geöffnet. Auch die Stadt Osnabrück hat am Wochenende alle Dosen verimpft - und nun für die kommenden Tage keinen Impfstoff mehr zur Verfügung. So habe man nichts gewonnen, sagte ein Sprecher der Stadt. Sonnabends und sonntags zu impfen, nur weil am Wochenende zu wenig geimpft wird, sei nicht zielführend. Das alles hätte man auch unter der Woche machen können, so der Sprecher weiter. Der einzige Grund, warum man sonst am Wochenende nicht impfe, sei der fehlende Impfstoff.

Landkreis Verden: Impftermine am Wochenende gut genutzt

In anderen Landkreisen fällt das Resümee dagegen etwas positiver aus: Zwar sind im Impfzentrum im Landkreis Verden nun vorerst keine Dosen von AstraZeneca mehr übrig, weil der Landkreis ein Wochenende zuvor bereits selbst ein Impf-Wochenende ausgerufen und schon viele Berechtigte geimpft hatte. Ein Landkreis-Sprecher hob hier allerdings positiv hervor, dass die Impftermine an beiden Wochenenden sehr gut genutzt worden seien. Auch die Impfzentren im Landkreis Rotenburg haben am Wochenende sämtlichen Impfstoff verimpft. Dort erhielten insgesamt 5.000 Menschen eine Spritze.

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Heidekreis: Absagequote von etwa zehn Prozent

Im Heidekreis heißt es, das Impf-Wochenende sei super gelaufen. Auch der Landkreis Osterholz zeigte sich zufrieden: Die Landesvorgabe von 1.000 Impfungen sei um 158 Dosen übertroffen worden. Getrübt wird die Stimmung allerdings etwas von der Absagequote, die etwa zehn Prozent betrage. Die meisten Termine seien abgesagt worden, weil die Impfung bereits vom Hausarzt erfolgte, heißt es im Heidekreis. Auch im Impfzentrum auf dem Messegelände in Hannover wurden nach Angaben eines Sprechers etwa zehn Prozent der Termine nicht wahrgenommen. Das sei aber ein gutes Ergebnis, so der Sprecher. An beiden Tagen wurden dort rund 10.000 Impfungen verabreicht.

Hildesheim: "Wir haben gezeigt, dass wir es können"

In Hildesheim wurde ein Parkplatz des Helios-Klinikums zu einem Drive-In-Impfzentrum umfunktioniert. Mehr als 1.000 zusätzliche Impfdosen konnten so am Wochenende durch das Autofenster verabreicht werden. Innerhalb von 48 Stunden habe man zusammen mit dem Arbeiter-Samariter-Bund und der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft gezeigt, "dass wir das hier können", sagte Helios-Geschäftsführer Sascha Kucera. "Wir würden das gerne jedes Wochenende wiederholen", sagte er. Wenn die Impfpriorisierung irgendwann aufgehoben sei, könnten auch Impfwillige aus Hannover oder aus dem Umfeld kommen, um sich impfen zu lassen, bot er an.

Nur noch 33.000 Über-70-Jährige auf Warteliste

Doch bis dahin gehen wohl noch ein paar Wochen ins Land. Gesundheitsministerin Behrens erklärte am Montag, an der Priorisierung der Impfungen festhalten zu wollen, bis genügend Impfstoff für alle da sei, die sich impfen lassen wollen. Nach Angaben des Ministeriums hat nach diesem Wochenende ein Großteil der Menschen ab einem Alter von 70 Jahren ein Impfangebot erhalten, sodass lediglich noch 33.000 Menschen aus dieser Altersgruppe auf der Warteliste stünden. Sukzessive sollen nun auch die Menschen aus der dritten Prioritätsgruppe ein Impfangebot erhalten. Wer 60 Jahre und älter ist, kann seit diesem Montag einen Termin über die Impfhotline mit der Telefonnummer (0800) 99 88 665 oder über das Internet-Impfportal des Landes vereinbaren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 26.04.2021 | 14:00 Uhr

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