Stand: 12.02.2019 06:52 Uhr

IS-Prozess: Drohbriefe und ein Rockerchef als Zeuge

Yildiray K. wurde 2014 vom Landgericht Duisburg wegen Drogen- und Waffengeschäften zu sechseinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Am Dienstag soll er im Celler IS-Prozess aussagen.

Es klingt wie Stoff für einen Hollywoodfilm: Es geht um Drohbriefe aus einem Hochsicherheitsgefängnis, um Vertrauen und vielleicht auch um Verrat - und um einen illustren Zeugen. Der Mann heißt Yildiray K. und war Anführer der Rockergruppe Satudarah MC Duisburg. Er wird heute vor dem Oberlandesgericht (OLG) Celle erwartet, in Niedersachsens Hochsicherheits-Gerichtssaal. Dort findet seit mehr als 100 Prozesstagen der deutschlandweit wohl bedeutsamste Prozess gegen ein mutmaßliches Islamisten-Netzwerk statt. Die Gruppe um den ehemaligen Hildesheimer Prediger mit Künstlernamen Abu Walaa soll Männer zum IS-geschickt haben.

Verurteilter Bandenchef der berüchtigten Satudarah-Rocker

Yildiray K. ist als Zeuge geladen. Als Bandenchef der berüchtigten Satudarah-Rocker war er 2014 selbst vom Landgericht Duisburg wegen umfangreicher Drogen- und Waffengeschäfte verurteilt worden, zu sechseinhalb Jahren Haft. Seine Strafe sitzt er im Hochsicherheitstrakt der JVA Düsseldorf ab, ebenso wie Hasan C. - einer der Angeklagten im Celler Prozess. Er soll in seinem Reisebüro junge Männer radikalisiert haben.

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Yildiray K. gibt Briefe an Staatsanwaltschaft weiter

Zwischen beiden Männern habe sich hinter den Gefängnismauern ein Vertrauensverhältnis entwickelt. So beschreibt es jedenfalls der Ermittlungsführer des Landeskriminalamtes NRW am vergangenen Mittwoch im Prozess in Celle. Die Darstellung der Polizei ist folgende: Das Vertrauensverhältnis zwischen beiden sei ganz offenkundig nur einseitig gewesen. Denn als Hasan C. seinem Mithäftling Briefe anvertraut, lässt Yildiray K. diese geheime Post der Staatsanwaltschaft zukommen.

"Es wäre wunderbar, wenn dringend eine Operation gemacht wird"

Die Briefe sind nun Beweismittel im Terrorprozess, denn die Polizei wertet sie als Beweismittel. Ein Brief enthält eine brisante Botschaft - für die Ermittler eine eindeutige Drohung: "Es wäre wunderbar, wenn dringend eine Operation gemacht wird", steht darin. Es folgen Namen von Zeugen. Auffällig ist: Ausgerechnet diese drei ehemaligen Schüler von Hasan C. haben bei ihren Vernehmungen vor dem OLG auffällige Gedächtnislücken. Im Angesicht der Angeklagten scheinen sie nicht wiederholen zu wollen, was sie der Polizei bereits zuvor an belastenden Details berichtet hatten.

Ex-Rocker soll Islamisten verabscheut haben

Laut Landeskriminalamt signalisiert Yildiray K. den Beamten, weitere Geheimnisse von Hasan C. zu kennen. "Er hat uns Appetithappen hingeworfen", sagt der Ermittlungsführer vor Gericht. Aus seiner Sicht gab es zwei Motive: Der Ex-Rocker habe auf eine vorzeitige Haftentlassung gehofft - und Islamisten verabscheut. Doch zu einer offiziellen Vernehmung sei er nicht bereit gewesen, nach eigenen Angaben aus Sorge um die Sicherheit seiner Familie. Vor Gericht wird ein Brief von Yildiray K. verlesen, in dem er den Oberstaatsanwalt um Verständnis bittet.

Zwillinge Kevin und Mark K. sollen "größtes Werk" gewesen sein

Die Beamten haben allerdings in Gedächtnisprotokollen festgehalten, was Yildiray K. ihnen "als Zuckerstückchen" gesagt haben soll. Und einiges davon passt zu anderen Zeugenaussagen - das macht ihn für das OLG Celle interessant. Hasan C. sei Gebietsvertreter von Abu Walaa und damit auch der IS-Terrormiliz in Deutschland. Hasan C. habe glänzende Augen bekommen, wenn von islamistischen Anschlägen die Rede gewesen sei. Und Hasan C. habe von Zwillingen gesprochen - es dürfte sich um Kevin und Mark K. handeln, die im Irak für die Terrormiliz Selbstmordattentate verübt hatten. "Die stammen aus meiner Schule und waren mein größtes Werk", soll er gegenüber seinem Mithäftling geschwärmt haben.

Yildiray K. will am Dienstag vor Gericht erscheinen

Doch wird Yildiray K. all das auch vor Gericht aussagen? Es gibt viele Fragen, die nur er selbst beantworten kann. Er werde am Dienstag kommen, dieses Ehrenwort hatte der Ex-Rocker jedenfalls dem Vorsitzenden Richter aus Celle telefonisch gegeben.

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