Stand: 01.10.2016 16:35 Uhr

Hannovers Hafven: Alle arbeiten unter einem Dach

von Eric Klitzke
Ein junger Mann mit Bart arbeitet an einem Laptop im Coworking Space Hafven. Im Hintergund ist ein Teil einer bunten Installation zu sehen.  Foto: Eric Klitzke
Wer nicht gerne allein im stillen Kämmerlein arbeitet, kann sich im neuen Coworking Space in Hannover eine Arbeitsplatz buchen.

Die Zeiten, in denen man als Lehrling in einem Betrieb beginnt und dort bis zur Rente bleibt, sind lang passé. Flexibilität in jeglicher Hinsicht scheint in Zukunft wichtiger denn je zu sein. Doch wie arbeiten wir zukünftig? In Hannover kann man sich selbst ein Bild davon machen, seit Sonnabend ist einer der größten Coworking und Maker Spaces Deutschlands in Betrieb. In einem Neubau in Hannovers Nordstadt stehen auf einer Fläche von über 2.000 Quadratmetern Büroarbeitsplätze, Besprechungsräume, mehrere Werkstätten und ein Café zur Kurzzeit-Miete zur Verfügung. Hafven nennt sich der innovative Arbeitsplatz.

Arbeiten, netzwerken, kreativ sein

In der Kreativbranche ist das durchaus schon üblich und erscheint auch sinnvoll, vor allem für Menschen, die an vielen unterschiedlichen Orten arbeiten. Nach der Kundenbesprechung vor Ort gibt es im Hafven die Möglichkeit, gleich einen Arbeitsplatz zu buchen, um loszulegen. Nebenbei kann man noch andere Coworker kennenlernen und am persönlichen Netzwerk weiterknüpfen. Für den Arbeitsplatz ist eine Gebühr fällig, dafür spart man sich das Firmenbüro und kann flexibel auf die Auftragssituation reagieren.

Edelstall + die Werke = Hafven

In einer Holzwerkstatt stehen Menschen hinter Werkbänken.  Foto: Eric Klitzke
In den verschiedenen Werkstätten findet man Maschinen, die die wenigsten bei sich zu Hause haben. Highlights sind hier CNC-Fräsen, Lasecutter und 3D-Drucker.

Was bei den Kreativen üblich ist, könnte auch in anderen Branchen funktionieren. Nicht nur Geistesarbeit soll im Hafven von einem Coworking Space profitieren, sondern auch das produzierende Gewerbe. So ist das Gebäude in der Kopernikusstraße zwar neu, Hafven aber ein Zusammenschluss von zwei hannoverschen Institutionen: Edelstall und die Werke. Der Coworking Space Edelstall bietet seit 2011 rund 30 Arbeitsplätze im Capitol Hochhaus an. Die Werke ist eine offene Werkstatt, in der Tüftler, Künstler und Erfinder Zugriff auf Werkzeuge und Maschinen haben, die üblicherweise nicht zu Hause im privaten Keller stehen. Für einen monatlichen Beitrag können Mitglieder auf 3D-Drucker, Lasercutter, Bandsägen und ähnliche Maschinen zugreifen und sich außerdem gegenseitig helfen. Die Kombination von Büros und Werkstätten ist das eigentlich Neue am Hafven und soll so ganz neue Arbeitsabläufe bieten. Beispielsweise können Produktdesigner und Softwareentwickler gemeinsam an einem Projekt arbeiten und Teile ihres Prototyps direkt in der Werkstatt dreidimensional ausdrucken.

Hannover - heimlicher Digital-Star?

Menschen stehen auf der Innenterasse des neugebauten Hafven-Gebäudes in Hannover.  Foto: Eric Klitzke
Ein Schmuckstück aus Beton: Im neuen Gebäude ist viel Raum, nicht nur zum Arbeiten.

Die Möglichkeiten scheinen jedenfalls groß zu sein und schnell hat das Konzept auch Anhänger gefunden. Einer der Gründer drückte es so aus: "Eine Zeit lang war es schwierig andere Leute von unserer Idee zu überzeugen. Die Zeiten sind definitiv vorbei." So besuchten Oberbürgermeister Stefan Schostok und Regionspräsident Hauke Jagau (beide SPD) am Freitagnachmittag das neue Coworking Space, in einer Videobotschaft sagte die Parlamentarische Staatssekretärin Brigitte Zypries (SPD): "Hannover ist der heimliche Digital-Star, jetzt tritt er ins Rampenlicht." Auch die Industrie scheint an das Projekt zu glauben, viele der Maschinen in den Werkstätten sind über spezielle Kooperationsverträge finanziert. Auch wenn das Gebäude noch nicht ganz fertig ausgebaut ist, öffnet der Hafven heute um 10 Uhr seine Pforten. Die Besucher können an Workshops teilnehmen, Gesprächsrunden verfolgen oder einfach nur die Räume anschauen.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 06.03.2017 | 15:00 Uhr

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