Blick auf einen leeren Zugang zum Messegelände Hannover. © dpa Foto: Julian Stratenschulte

Hannover: Zwist über künftigen Kurs der Deutschen Messe AG

Stand: 13.11.2020 12:32 Uhr

Die Corona-Pandemie hat der Deutschen Messe mit Sitz in Hannover heftig zugesetzt. Bürgschaften von Stadt und Land sollen sie retten. Unterdessen gibt es Streit über die künftige Ausrichtung.

von Jörg Ihßen

Hinter den Kulissen der Deutschen Messe AG rumort es kräftig. Aus Sicht der Anteilseigner - neben der Stadt Hannover ist das auch das Land Niedersachsen - hat das folgenden Grund: "Die Kostenstruktur der Deutschen Messe AG ist nicht wettbewerbsfähig", so Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU). Der Messevorstand hatte zuvor einen Finanzbedarf von 115 Millionen Euro mitgeteilt. Von einer gemeinsamen Bürgschaft von Stadt und Land ist seitdem die Rede. Die Sondierungsgespräche darüber haben begonnen. Doch man ist weit von einer Einigung entfernt.

Hybrid-Offensive: Messe vor Ort und digital

Vorstand und Anteilseigner wollen das Messe-Kernteam von rund 750 Mitarbeitenden reduzieren. 280 Stellen sollen bis 2027 abgebaut werden. Der Grund: Die Perspektive für neue Messen sieht eine Kombination aus Präsenz-Veranstaltungen und Streaming-Formaten vor, so Messe-Chef Jochen Köckler. Und zwar auch dann, wenn die Corona-Pandemie beherrschbar geworden sein wird. Die Online-Technik sei dann etabliert. Ein volles Messegelände werde es - wenn überhaupt - nur noch ein- bis zweimal im Jahr geben.

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Betriebsrat verweist auf marktübliche Löhne

Der Betriebsrat hält dagegen. Der Umsatz sei vor März ertragreich gewesen, sagte Carsten Scheibe. Das bestehende Messe-Team habe sich nicht nur bis dahin bewährt, sondern auch in der Corona-Krise neue Formate entwickelt. Die gezahlten Löhne würden den marktüblichen Preisen entsprechen. "Im Verhältnis zu Frankfurt zum Beispiel liegt das Jahresgehalt eines Mitarbeiters in Hannover vielleicht 2.000 Euro höher." Das sei nicht wettbewerbsentscheidend, so Scheibe.

Streit beschädigt das Image der Deutschen Messe

Die Fronten sind verhärtet. Dabei droht der Streit das Image der Messe-Marke aus Hannover zu beschädigen. Hotelbesitzer Cord Kelle vom Congress Hotel in Hannover berichtet zum Beispiel von ersten Kunden, die Stornierungen damit begründeten, dass sie gehört hätten, die Messe AG hätte Insolvenz angemeldet.

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Hallo Niedersachsen | 13.11.2020 | 19:30 Uhr

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