Stand: 14.07.2020 09:20 Uhr  - Niedersachsen 18.00

Hannover: Rechtsextremer bedroht Gastronomen

von Amelia Wischnewski
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In Hannover sind rechtsextreme Drohbriefe an türkische Geschäftsinhaber verschickt worden.

Ein Hass-Brief mit Morddrohungen sorgt in Hannovers Steintorviertel für Beunruhigung bei türkischen Geschäftsinhabern, wie das NDR Regionalmagazin Niedersachsen 18 Uhr berichtet. In dem Brief, der dem NDR vorliegt, droht ein anonymer Verfasser "allen türkischen Geschäften und Moscheen". Zu den Empfängern des Schreibens gehört neben anderen der Restaurantbesitzer Mehmet Kılıç. Kılıç fand den Brief nach eigenen Angaben am Sonnabend in seiner Post und erstattete umgehend Anzeige.

Beschimpfungen und Drohungen

In dem an Kılıç adressierten Brief heißt es wörtlich: "Ihr werdet vernichtet", "haut endlich ab, ihr scheiß Drecks-Kanaken, wir hassen euch" und "wird bald schweren Krieg geben am Steintor - verlasst euch drauf". Unterzeichnet ist der Text mit "Die Deutschen". Natürlich mache ihm das Sorgen, sagt Kılıç mit Blick auf seine 30 Mitarbeiter und seine Familie. "Ich lebe seit 26 Jahren in Deutschland, meine Töchter sind hier geboren. Bisher hatten wir solche Probleme in Hannover nicht. Ich hoffe, dass die Polizei uns unterstützt."

Verbindungen zur Rockerszene?

Der Briefschreiber behauptet, Rocker würden bald Moscheen anzünden. Der Verfasser gibt an, die "Hells Angels"-Größe Frank Hanebuth "regelmäßig zu informieren". Auf Anfrage des NDR distanzierte sich Hanebuth am Montag deutlich von dem Schriftstück. Sein Anwalt Michael Nagel schreibt dazu: "Herr Hanebuth ist seit 37 Jahren am Steintor tätig. Er hat einen guten, auf gegenseitigem Vertrauen beruhenden Kontakt zu allen dort tätigen Geschäftsleuten. [...] alle dürften wissen, dass er mit solchen Briefen nichts zu tun hat. Er kennt weder den Verfasser noch den Inhalt der Briefe." Frank Hanebuth distanzierte sich bereits 2012 von rechtsradikalen Rockern. Schlagzeilen machten aber die Überschneidungen der "Hells Angels" zur AfD und Facebook-Posts von Hanebuth, in denen er eine "Law and Order"-Politik vertritt.

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Volksverhetzung

Der Polizei in Hannover liegen seit Sonnabend mehrere solcher Drohbriefe vor. Eine genaue Zahl will sie nicht nennen. Die Behörde prüft nun, ob sie demselben Verfasser zuzuordnen sind. Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt wegen Volksverhetzung. Oberstaatsanwalt Thomas Klinge sagte dem NDR: "Wir wissen, dass solche Schreiben auch schon umgesetzt worden sind und sind darum sehr vorsichtig." Laut Klinge untersucht die Staatsanwaltschaft, ob das eine allgemeine Unmutsäußerung sein soll oder ob tatsächlich Gefahr bestehe. "Wir werden alles versuchen, um diesen Absender zu fassen", so Klinge.

Drohung ernst nehmen

Nejla Coşkun ist stellvertretende Vorsitzende der Türkischen Gemeinde Niedersachsen. Für sie ist das Schreiben kein Einzelfall, man müsse es dennoch ernst nehmen. "Gerade mit Blick auf das Steintor, an dem viele Geschäfte und Restaurants von Migranten betrieben werden. Nur gemeinsam können wir demokratisch handeln, denn wir sind auch ein Teil Deutschlands", sagt Coşkun. Man habe das Land Schulter an Schulter mit den Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut. Dass dem Restaurantbetreiber Kılıç offenbar viel am Miteinander liegt, zeigt ein Blick auf das vergangene Jahr: Im Oktober 2019 veranstaltete der Gastronom ein deutsch-türkisches Freundschaftsessen in seinem Restaurant Urfa Sofrasi, Ehrengast war Ministerpräsident Stephan Weil (SPD).

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Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 | 13.07.2020 | 18:00 Uhr

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