Stand: 24.04.2018 19:36 Uhr

Hannover Messe: Produktpiraten schlagen oft zu

Bei der Hannover Messe zeigt die internationale Industrie in diesen Tagen, wie weit sie mit künstlicher Intelligenz, selbstständigem Maschinenlernen und E-Mobilität ist. Bereiche, bei denen deutsche Unternehmen zuletzt im Rückstand waren und jetzt nach eigenem Bekunden aufholen wollen. Dabei machen ihnen allerdings Produktpiraten zunehmend Ärger. Die deutschen Maschinenbauer werden besonders oft Opfer von Produktfälschungen aus China. 71 Prozent der Unternehmen haben bereits gefälschte Nachahmungen ihrer Produkte gefunden, teilte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am Dienstag auf der Hannover Messe mit.

Kampf gegen Plagiate ist aufwendig

Laut der VDMA-Studie hat die Branche 2017 dadurch einen Schaden in Höhe von rund 7,3 Milliarden Euro erlitten. Während die meisten Hardware-Fälscher aus China kämen, nehme inzwischen auch die Zahl der einheimischen Wettbewerber, die Ideen klauten, deutlich zu. Gerade viele kleine und mittelständische Firmen wehren sich jedoch nicht gegen die Plagiate. "Für viele ist es zu kostenintensiv, vor Gericht durchzusetzen, dass es sich um ihre Technik handelt", sagte VDMA-Geschäftsführer Rainer Glatz. Gleichzeitig geben diese kleineren und mittelständische Firmen an, dass sie überproportional unter der gefälschten Konkurrenz leiden, etwa indem ihr Umsatz in bestimmten Märkten ganz oder teils einbricht.

Merkel und Peña Nieto werben für freien Handel

Gemeinsam mit dem mexikanischen Präsidenten Enrique Peña Nieto hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montagmorgen ihren traditionellen Rundgang über die Hannover Messe absolviert. Die beiden Politiker schauten sich auf der weltgrößten Industrieschau verschiedene Innovationen an. Insgesamt 5.000 Aussteller aus 75 Ländern präsentieren ihre Produkte, darunter 150 aus dem diesjährigen Partnerland Mexiko. Am Sonntagabend hatten Merkel und Peña Nieto den offiziellen Startschuss für die Messe gegeben und in ihren Reden für freien Handel geworben.

Menschen, Medien und Maschinen auf der Messe

Protest von Menschenrechtsaktivisten

Mexiko will sich in Hannover als attraktiver Wirtschaftsstandort präsentieren. "Wir wollen das neue Gesicht Mexikos zeigen, das moderne Mexiko", sagte Wirtschaftsstaatssekretär José Rogelio Garza Garza im Vorfeld. Am Sonntag gab es allerdings erst einmal Proteste gegen das Partnerland: Rund 20 Aktivisten von Amnesty International versammelten sich vor dem Kongresszentrum zu einer Mahnwache. Sie warfen Mexiko schwere Menschenrechtsverletzungen vor.

"Mitdenkende Fabrik mit dem Menschen im Mittelpunkt"

Die Veranstalter der Messe verstehen die Industrieschau in diesem Jahr als ein Schaufenster, das zeigt, was in der Branche bald machbar ist. "Die Fabrik der Zukunft ist eine mitdenkende Fabrik mit dem Menschen im Mittelpunkt", erklärt Jochen Köckler, Chef der Messe, die mittlerweile 60 Prozent ausländische Aussteller nach Hannover zieht. Trendthema: der Einzug der künstlichen Intelligenz (KI) in die Fabriken.

"Inmitten von zwei Veränderungen"

Weitere Schwerpunkte: selbstständiges Maschinenlernen durch KI und die Vorbereitung der Stromnetze auf die E-Mobilität. "Wir sind inmitten von zwei großen Veränderungen: der industriellen Revolution und der Energie-Revolution", sagt ABB-Konzernvorstand Sami Atiya. Das Technologieunternehmen präsentiert zum Beispiel einen elektrischen Formel-E-Rennwagen. Elf Rennen seien weltweit in unterschiedlichen Städten geplant, darunter am 19. Mai in Berlin. Eine ebenfalls präsentierte neue E-Auto-Ladesäule soll ein Auto mit 300 Kilometern Reichweite innerhalb von nur zwölf Minuten aufladen können.

Schweden folgt als Partner 2019

Noch bis zum 27. April sind die Hallen in Hannover für die Besucher geöffnet. Am Dienstag ist allerdings schon der Nachfolger von Mexiko als Partnerland für 2019 benannt worden: Schweden. "Die Regierung und Industrie Schwedens treiben die digitale Transformation konsequent voran", betonte Hannover-Messe-Chef Jochen Köckler nach der Vertragsunterzeichnung. Die Wirtschaft Schwedens wächst den Angaben der Messe zufolge stetig. Im internationalen Vergleich belege Schweden fast überall vordere Plätze - vom Wirtschaftsklima bis hin zu Startups. Das Land sei die Heimat einer dynamischen Startup-Kultur sowie einiger weltbekannter Marken, darunter Volvo, Electrolux, Ericsson, Ikea und H&M. Stockholm sei zudem "ein Hotspot für Technologie", aus der Hauptstadt kämen Tech-Größen wie Spotify, Klarna oder Skype.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 23.04.2018 | 06:30 Uhr

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