Stand: 22.05.2017 16:54 Uhr

Gewalttat in Hameln: Opfer spricht von "Horror"

Der Mann, der seine ehemalige Lebensgefährtin im November zunächst missbraucht und dann an einem Auto durch Hameln geschleift haben soll, hat am Montag die Tat gestanden. Der Anwalt des angeklagten 39-Jährigen verlas die Worte seines Mandanten zu Beginn des Prozesses vor dem Landgericht Hannover. Er habe auf grausame Weise versucht, die Frau zu töten. Ihm tue unendlich leid, was er dem Opfer und dem gemeinsamen damals zweijährigen Sohn angetan habe, hieß es in der Erklärung. Der Angeklagte muss sich wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und einer Morddrohung verantworten. Nach Verlesung der Anklage war der Prozess zunächst unterbrochen worden. Ein Anwalt hatte beantragt, den dreijährigen Sohn als Nebenkläger zuzulassen. Das Opfer selbst ist Nebenklägerin in dem Verfahren.

Mit Seil an Auto gebunden

Laut Staatsanwaltschaft war der mutmaßliche Täter bei der Rückgabe des gemeinsamen Kindes am 20. November 2016 gegen 18 Uhr mit seiner Ex-Partnerin in Streit geraten. In dessen Verlauf soll er auf die Frau eingeprügelt, mit einem Messer auf sie eingestochen und sie mit der stumpfen Seite einer Axt geschlagen haben. Der Gewaltausbruch, den mehrere Menschen vom Fenster beobachtet haben sollen, gipfelte darin, dass der Mann der schwerverletzten Frau einen Strick um den Hals legte, sie an sein Auto band und losraste. Erst nach etwa 200 Metern soll sich das Seil gelöst haben. Während der Fahrt befand sich der damals zweijährige Sohn der beiden im Auto.

Angeklagter: Tat war nicht geplant

In der Einlassung zu Beginn der Verhandlung beteuerte der Angeklagte, die Tat sei nicht geplant gewesen. Er sei im Streit um Unterhaltspfändungen ausgerastet - habe nur noch Hass empfunden. Ursprünglich habe er sich nach Rückgabe des Sohnes an die Ex-Lebensgefährtin am Tattag selbst umbringen wollen. Daher auch die Worte "game over" auf einem Zettel. Und Seile und Axt seien wegen Gartenarbeit im Auto gewesen. Die Staatsanwaltschaft aber sieht die Tat als geplant an, denn schon einen Monat vorher soll der Mann der Frau gedroht haben, einer von beiden werde sterben, sollten die Unterhaltspfändungen bei ihm nicht aufhören.

Frau soll noch erheblich unter der Tat leiden

Am ersten Prozesstag kam auch das Opfer zu Wort: An den Tattag könne sie sich nicht mehr erinnern, auch sonst habe sie Erinnerungslücken. Die Frau erlitt schwerste Kopfverletzungen, tagelang hatte sie im künstlichen Koma gelegen. Ein Messerstich streifte ihr Herz, außerdem erlitt sie auch eine offene Schädelfraktur. Nach Auskunft ihres Anwalts Roman von Alvensleben ist sie mittlerweile körperlich weitgehend genesen. Sie leide aber psychisch noch immer erheblich unter den Folgen der Tat.

Opfer: "Ich bin kein Sklave"

"Ich dachte mir, er ist ein vernünftiger Mensch. Sobald wir verheiratet waren, fing der Horror an", erklärte das Opfer vor Gericht. Sie sei angespuckt, beleidigt und geschlagen worden, durfte kein Handy haben und schließlich keine Verwandten mehr besuchen. "Ich bin kein Sklave", will sie ihm einmal gesagt haben. Im Jahr 2014 floh sie mit dem Baby zu ihrer Mutter. Dann entbrannte ein Streit um Unterhalt, der schließlich bereits vor dem Gericht mit einem Vergleich endete - nach dem sich beide nur noch auf 20 Metern nähern duften. Nur zur Übergabe des Kindes durften die beiden Eltern zusammenkommen.

Drei Verhandlungstage angesetzt

Der Verteidiger des Angeklagten hatte bereits vor Prozessbeginn angekündigt, dass sich der 39-Jährige vor Gericht zu den Vorwürfen äußern wolle. "Mein Mandant wird nicht schweigen", sagte Rechtsanwalt Matthias Waldraff. Insgesamt sind drei Verhandlungstage angesetzt, das Urteil könnte am 31. Mai fallen. Dem Angeklagten droht eine lebenslange Haftstrafe.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 22.05.2017 | 06:30 Uhr

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