Die Statue Justitia ist im Amtsgericht Hannover zu sehen. © dpa-Bildfunk Foto: Peter Steffen/dpa

Generalstaatsanwaltschaft Celle ermittelt gegen Ex-Wachmann

Stand: 21.06.2021 15:07 Uhr

Die Generalstaatsanwaltschaft Celle ermittelt gegen einen 95-Jährigen, der Wachmann in einem Kriegsgefangenenlager gewesen sein soll. Die Ermittler werfen dem Mann Beihilfe zum Mord vor.

Ihm wird zur Last gelegt, zwischen Oktober 1943 und April 1945 Dienst im Kriegsgefangenenlager VI C Bathorn bei Nordhorn geleistet zu haben, wie die Generalstaatsanwaltschaft Celle der "taz" bestätigt hat. In dem Lager auf dem Gebiet der Gemeinde Hoogstede (Landkreis Grafschaft Bentheim) sollen viele sowjetische Kriegsgefangene zu Tode gekommen sein. Die Zentrale Stelle für die Aufklärung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg (Baden-Württemberg) hatte mehr als zwei Jahre lang Hinweise zur möglichen Schuld des 95-Jährigen zusammengetragen.

Anklage offen: Ist Senior verhandlungsfähig?

Laut Oberstaatsanwalt Bernd Kolkemeier sei noch nicht klar, ob es zu einer Anklage komme. Man müsse Beschuldigten, die in einem Kriegsgefangenenlager eingesetzt waren, "konkrete Beteiligungshandlungen an Tötungsdelikten nachweisen", sagte Kolkmeier dem Evangelischen Pressedienst. Nun müssen Wohnort und Gesundheitszustand des 95-Jährigen ermittelt werden, so Kolkmeier, bevor die Tatvorwürfe weiter verfolgt werden könnten.

Bis zu 3,3 Millionen tote sowjetische Kriegsgefangene?

Dem Bericht zufolge gingen den Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft mehr als zwei Jahre Vorermittlungen der Zentralen Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg voraus. Historiker schätzen, dass bis zu 5,7 Millionen sowjetische Soldaten während des Zweiten Weltkrieges in deutsche Gefangenschaft geraten seien. 2,6 bis 3,3 Millionen Gefangene seien ums Leben gekommen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 21.06.2021 | 11:00 Uhr

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