Stand: 30.11.2018 16:01 Uhr

Gedenkort Bückeberg wird gebaut - aber anders

Blick über den Bückeberg.
Auf dem Bückeberg versammelten sich in der Nazi-Zeit Millionen von Menschen zu "Reichserntedankfesten".

Der Gedenkort am Bückeberg bei Hameln, auf dem die Nazis ihre "Reichserntedankfeste" feierten, wird gebaut. Allerdings nicht in der Form, wie er zuletzt geplant war. Über die Gestaltung des vom Kreistag Hameln-Pyrmont beschlossenen Gedenkortes war ein Streit unter den Parteien und in den politischen Gremien entbrannt. Jetzt haben Vertreter des Landkreises, des Kreistages und des Rats der Samtgemeinde Emmerthal, auf deren Gebiet der Bückeberg liegt, einen Kompromiss gefunden und diesen am Freitag vorgestellt. "Alle Gesprächspartner sind sich einig, dass die Spaltung von Politik und Einwohnern in Emmerthal auf Dauer beendet werden muss, um wieder zu einem konstruktiven Miteinander zu kommen", heißt es in der Vereinbarung. Und weiter: "Dabei sind Interessen aller Seiten zu beachten."

Keine befestigten Wege, keine Info-Inseln

Auf dieser Basis haben sich die Gesprächspartner auf einen neuen Entwurf für den "Lern- und Gedenkort" geeinigt. So solle es im unteren Bereich des 160 Meter hohen Berges keine baulichen Veränderungen geben. Dort, in der Nähe der Wohnhäuser, soll lediglich ein Abstellplatz für Fahrräder entstehen. Die Wege, auf denen die Besucher auf den Berg hinauf geleitet werden, sollen nicht befestigt, sondern "in Grasausführung angelegt" werden, wie es heißt. Das Gelände solle weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden können, beispielsweise für Weidehaltung oder Heuernte.

Ausstellung soll ins Museum Börry integriert werden

Weiterhin sieht der Kompromiss vor, einen Teil der Ausstellung in das nahegelegene Museum für Landarbeit und Landtechnik in Börry zu integrieren. Dort soll ein Haus für rund 400.000 Euro umgebaut werden, das Geld könne über Förderprogramme aufgerufen werden. Auch in der Nähe des Weserradwegs soll es Informationen über die einstige Propagandastätte der Nazis geben.

1,2 Millionen Menschen hörten 1937 Hitler zu

Historiker betrachten den Bückeberg neben dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg und dem Tempelhofer Feld in Berlin als einen der zentralen Orte, an denen die Nazis die "Volksgemeinschaft" und den Führerkult inszenierten. Dabei sollten die Menschen auch auf Krieg und Eroberung eingestimmt werden. Zwischen 1933 und 1937 veranstaltete die NSDAP auf dem von Albert Speer gestalteten Gelände ihre "Reichserntedankfeste". 1937 sollen dazu 1,2 Millionen Menschen auf den Bückeberg gekommen sein, um Adolf Hitler und andere Nazigrößen reden zu hören.

Einwohner befürchten Besucherströme

Im März hatte sich der Kreistag des Landkreises Hameln-Pyrmont mit einer knappen Mehrheit für die Umgestaltung des Bückebergs ausgesprochen. SPD, Grüne, FDP, Unabhängige und Linke stimmten für ein Konzept mit befestigten Wegen und Informationstafeln auf dem Bückeberg. Die Vertreter von CDU und AfD votierten dagegen. Der Rat der Samtgemeinde Emmerthal lehnte das Projekt jedoch mehrheitlich ab. CDU, Freie Wähler und AfD setzten eine Bürgerbefragung durch, die nun "zunächst ausgesetzt" werden soll. Vor allem Anwohner waren gegen das Konzept, da sie Besucherströme in ihrer beschaulichen Gemeinde befürchteten und die Kosten als zu hoch betrachteten. Bisher waren die Gesamtausgaben auf 1,5 Millionen Euro geschätzt worden, die laut Kreisverwaltung aber weitgehend gedeckt gewesen wären.

Weitere Informationen
Niedersachsen, Emmerthal: Der Historiker Bernhard Gelderblom steht am Bückeberg bei Hameln, wo die Nazis von 1933 bis 1937 das "Reichserntedankfest" feierten. © dpa-Bildfunk Foto: Ole Spata

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Grafik einer geplanten Dokumentations- und Gedenkstätte auf den Bückeberg

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 30.11.2018 | 17:00 Uhr

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