Stand: 09.10.2019 19:01 Uhr

Fürst: "Fühle mich durchaus sicher in diesem Land"

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Michael Fürst ist der Vorsitzende der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen. (Archiv)

Beim Angriff auf eine Synagoge und einen Döner-Imbiss hat ein mutmaßlicher Rechtsextremist in Halle (Sachsen-Anhalt) am Mittwoch zwei Menschen getötet. Der 27-jährige Deutsche soll versucht haben, die Einrichtung anzugreifen, in der rund 80 Menschen den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur begingen. Mittlerweile hat die Polizei die Sicherheitsvorkehrungen für jüdische Gemeinden auch in Niedersachsen verstärkt. NDR 1 Niedersachsen sprach mit dem Landesvorsitzenden der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, Michael Fürst.

Herr Fürst, mit welchen Gefühlen verfolgen Sie die Informationen, die uns aus Halle erreichen?

Michael Fürst: Das ist eine brutale Angelegenheit, wie ich sie in Deutschland noch nicht erlebt habe. Und auch nicht wieder erleben möchte. Wenn ein jüdischer Feiertag genutzt wird, um die Tür der Synagoge zu sprengen, dort reinzukommen und weitere Menschen umzubringen, dann ist der Punkt erreicht, an dem der Staat nicht nur aufhorchen muss. Sondern an dem der Staat einschreiten muss, ganz heftig sogar einschreiten muss. So etwas darf in Deutschland nicht passieren, so etwas darf nie wieder passieren.

Überall aus Deutschland hören wir, dass die Sicherheitsmaßnahmen vor jüdischen Einrichtungen hochgefahren wurden. Wie ist der aktuelle Stand hier?

Michael Fürst: Genauso ist es in Niedersachsen. Wir haben mit den Polizeibehörden ständigen Kontakt. Die Sicherheitsbehörden - vom Innenministerium bis zu den Polizeipräsidien - haben angeordnet, dass alle jüdischen Institutionen und auch einzelne Personen bewacht werden. Das ist hier in Niedersachsen sehr gut geregelt und ich glaube, da werden wir auch keine Befürchtungen haben müssen. Es gibt keine konkreten Anlässe, dass hier etwas geplant ist. Aber Verrückte gibt es leider überall.

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Bei Menschen vor der Synagoge in Hannover ist eine starke Verunsicherung zu spüren. Was empfinden Sie gerade?

Michael Fürst: Das ist schon eine Verunsicherung. Und dass Gemeindemitglieder, die für gewöhnlich mit solchen Dingen nicht umgehen müssen, verunsichert sind, das liegt auf der Hand. Ich kann sehr wohl zwischen akuten und weniger akuten Gefahren differenzieren. Das können diese Personen natürlich weniger. Deswegen ist das eine verständliche Reaktion. Ich selbst fühle mich durchaus sicher in diesem Land - ohne dass ich eine weitere Bewachung brauche. Aber ich kann verstehen, dass Gemeindemitglieder nun eine akute Gefährdung sehen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Funkbilder | 09.10.2019 | 16:00 Uhr

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