Stand: 15.03.2019 06:48 Uhr

#FridaysForFuture: "Wir haben keine andere Wahl"

Ein Schulstreik im ganz großen Stil ist am Freitag geplant. Ein Hinweis findet sich unter anderem an einer Bushaltestelle in der Gemeinde Friedland.

Schüler streiken für ihre Zukunft - diese Bewegung hat sich schnell verbreitet. Die Schwedin Greta Thunberg hat angefangen: Nach einigen Wochen, in denen die Jugendliche täglich vor dem schwedischen Parlament saß, wurde im September 2018 ein Freitagsstreik daraus. Und viele junge Klima-Aktivisten sind dem Beispiel gefolgt: Freitagvormittags führt ihr Weg nicht in die Schule, sondern auf die Straße, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Mithilfe von Social Media hat die Initiative #FridaysForFuture in kürzester Zeit Anhänger in aller Welt gefunden. Über WhatsApp, Telegram und Instagram vernetzen sich die Schüler - und nun sind sie damit so weit, dass heute weltweit gestreikt werden soll. Das erfordert Einsatz, Arbeit, Überzeugungskraft. Und nicht zuletzt müssen sich die Aktivisten mit den Folgen von verpasstem Unterricht auseinandersetzen.

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Einmal wöchentlich bundesweite Telefonkonferenz

Eine der Organisatorinnen von #FridaysForFuture in Hannover ist Kaja Schwab. Sie hat eine Handvoll Mitstreiter, um Demonstranten zu mobilisieren, Organisatorisches zu erledigen - eine Demo muss zum Beispiel angemeldet werden - und in der Zeit vor dem großen Tag auch eine Menge Pressetermine wahrzunehmen. "Wir sehen uns im Moment gefühlt jeden Tag", sagte Kaja Schwab wenige Wochen vor der Aktion im Gespräch mit NDR.de. Bei aller Vernetzung per WhatsApp gibt es bei #FridaysForFuture also auch noch persönliche Treffen. Und es wird viel gesprochen. Jeden Sonntag findet eine bundesweite Telefonkonferenz statt.

Mehr als 50 Länder machen mit

Es gebe auch europa- und weltweite Telefonkonferenzen, so Kaja. In Städten aus mehr als 50 Ländern haben sich inzwischen #FridaysForFuture-Aktivisten zusammengefunden - wie groß die Bewegung ist, soll der gemeinsame Aufschlag am 15. März deutlich machen. In Deutschland sind laut Kaja rund 120 Städte beteiligt, darunter auch sehr kleine. In Niedersachsen existieren gut 20 WhatsApp-Gruppen zum Beispiel für Leer, Wolfsburg und Osnabrück, die zum Teil aber auch mehrere Orte abdecken, etwa die Gruppen "Wendland" und "Kreis Nienburg". Insgesamt machen Schüler aus 24 Städten und Gemeinden mit. Und überall sind sie in der gleichen Situation: Sie verpassen den Unterricht, wenn sie am Freitagvormittag auf die Straße gehen.

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Schulen reagieren unterschiedlich

Der Umgang der Schulen mit den Freitags-Demos sei sehr unterschiedlich, sagte Kaja. Manche gäben ihr OK und Lehrer beteiligten sich sogar an den Demonstrationen. Offiziell müssen Schüler eine kurzfristige Beurlaubung beantragen, um dem Unterricht am Freitagvormittag fernbleiben zu können - und es gibt Kaja zufolge Schulen, die diesem Antrag stattgeben. Manche Teilnehmer bekämen jedoch auch Probleme, weil ihre Schule die Demo-Teilnahme als unerlaubtes Fehlen werte. Insgesamt aber, so ist jedenfalls Kajas Eindruck, kommen Schulen in Niedersachsen den Aktivisten im Allgemeinen mehr entgegen als in anderen Ländern, etwa Nordrhein-Westfalen.

Demo außerhalb der Schulzeit würde Zweck verfehlen

So oder so: Die Aktionen müssen während der Unterrichtszeit stattfinden. Das betonen die Aktivisten immer wieder. "Wir wären nie so weit gekommen, wenn wir zum Beispiel am Samstagnachmittag demonstrieren würden", glaubt auch Kaja. Sie und die anderen Organisatoren aus der Landeshauptstadt sind gern gesehene Gesprächspartner etwa für Medien, sie waren bei Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) zu Gast, ihre Initiative sorgt für Gesprächsstoff - eben weil sie mit einem Schulstreik verbunden ist. Letzten Endes hätten die Schüler gar keine andere Wahl, sagte Kaja. "Wir sind die letzte Generation, die etwas ändern kann. Wir sind es, die in dieser Zukunft leben müssen."

Demonstrationen am Freitag in Niedersachsen

  • ab 8 Uhr: Göttingen
  • ab 10 Uhr: Cuxhaven, Braunschweig, Emden, Juist, Leer, Osnabrück, Rastede, Wolfsburg
  • ab 10.30 Uhr: Gifhorn
  • ab 11 Uhr: Lüneburg, Nienburg, Peine, Stade, Aurich
  • ab 12 Uhr: Buchholz in der Nordheide, Celle, Hildesheim, Nordhorn, Oldenburg, Lüchow
  • ab 12.30 Uhr: Hannover, Wilhelmshaven
  • ab 13 Uhr: Goslar

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 15.03.2019 | 19:30 Uhr

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