Festival-Modellprojekt: Ausgelassen feiern unter Beobachtung

Stand: 05.07.2021 08:28 Uhr

Die Festival-Branche will in den Sommer starten, und die Menschen wollen tanzen. Ein Modellprojekt soll zeigen, wie das möglich ist - unter freiem Himmel und wissenschaftlich untersucht.

An vier Tagen zwischen Mitte Juni und Sonntag durften Besucherinnen und Besucher in Hannover bei der Reihe "Back to dance" zu wechselnden DJ-Sets feiern. Doch das taten sie nicht einfach so, sondern unter bestimmten Regeln und unter Beobachtung. Um überhaupt teilnehmen zu können, musste zunächst ein negativer Corona-Test, nicht älter als zwölf Stunden, nachgewiesen werden. Mit auf dem Gelände waren das Gesundheitsamt der Region Hannover und Sozialwissenschaftler der Leibniz Universität Hannover.

"Neubeginn für kulturelle Freiräume schaffen"

Menschen tanzen unter freiem Himmel. © NDR Foto: Nina Reckemeyer
Mit Maske und Abstand: So wurde beim ersten Modell-Termin gefeiert und getanzt.

"Das Lächeln in den Gesichtern und die Euphorie der Menschen zeigen uns, dass auch mit hygienischen Maßnahmen ein unbeschwerteres Tanzen möglich ist. Wir hoffen, damit den Neubeginn für kulturelle Freiräume schaffen zu können, die uns allen so viel bedeuten", sagte Johannes Teller, Sprecher der Organisatoren und Veranstalter des SNNTG-Festivals. Hinter "Back to dance" steckt eine Projektgruppe, die sich im Frühjahr gegründet hat. Mit dabei: das SNNTG Festival, das Fuchsbau Festival, das MusikZentrum Hannover, Klubnetz und die MusicCommunity ZWAEM.

Wie lässt sich mit Schutzmaßnahmen feiern?

Ziel des Projekts: Erkenntnisse darüber zu erlangen, wie Open-Air-Tanzveranstaltungen während der Pandemie möglich sein können. Die Veranstalter wollen auch herausfinden, "wie sich die Wahrnehmung des Feier-Erlebnisses der Besucher und Besucherinnen verändert, wenn sie mit verschiedenen Schutzmaßnahmen konfrontiert werden oder aber auch Maßnahmen wie das Tragen einer medizinischen Maske entfallen", erklärte Sina-Mareike Schule vom Musikland Niedersachsen.

Fünf Tage nach der Feier noch ein Test

Seit Beginn, des Projekts Mitte Juni feierten die Besucherinnen und Besucher an den Wochenenden unter sich ändernden Maßnahmen. Zunächst ohne Abstand und mit Maske, mit Alkohol. Dann ohne Maske und ohne Alkohol, zuletzt dann ohne Maske, mit Alkohol und ohne Abstand. Also im Grunde so, wie in den Jahren zuvor. An jedem Veranstaltungstag durften 350 Menschen kommen, aufgeteilt in zwei dreistündige Zeitfenster. "Um die infektiologische Auswirkungen zu überprüfen, müssen die Besucher und Besucherinnen fünf Tage nach der Veranstaltung einen weiteren Test machen", teilte die Projektgruppe mit.

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Verordnung erlaubt Tanzen ohne Maske und Abstand

Mittlerweile seien die Veranstalter von der geltenden niedersächsischen Corona-Verordnung überholt worden, so Teller. Als die Planungen für das Modelprojekt begannen, waren zwar wieder Open-Air-Kulturveranstaltungen teils mit 1.000 Gästen erlaubt, allerdings nur mit festen Sitzplätzen. Das habe sich mittlerweile geändert. Bei entsprechender Inzidenz braucht es erst ab 1.000 Teilnehmenden eine Genehmigung, so Teller. Die Maske unter freiem Himmel ist nicht mehr erforderlich und die Abstandspflicht bei vorherigem negativen Test aufgehoben. Folglich hätte man die Veranstaltung auch einfach so stattfinden lassen können - ohne die Beobachtung.

Ergebnisse kommen Ende Juli

"Doch wir wollten die Veranstaltung weiter wissenschaftlich begleiten lassen", betonte Teller. Damit es am Ende Ergebnisse gebe, die aufzeigen, wie sich die Bedürfnisse und die Wahrnehmung der Festival-Fans während der Pandemie geändert haben. Auch mit Blick auf Zeiten, in denen es vielleicht wieder entsprechende Maßnahmen gibt. Die Ergebnisse der Modellprojekts sollen Ende Juli vorliegen.

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Dieses Thema im Programm:

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