Stand: 22.02.2019 21:38 Uhr

Fall Lügde: Leitender Ermittler suspendiert

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Auf einem Campingplatz in Lippe wurden mindestens 31 Kinder missbraucht.

Nach dem Verschwinden von Beweisen zu den Missbrauchsfällen in Lügde an der Grenze zu Niedersachsen häuft sich die Kritik an der Kreispolizeibehörde Lippe. Behördenchef und Landrat Axel Lehmann (SPD) sprach am Freitag in Detmold von "eklatanten Fehlleistungen" bei der Polizei. Ein leitender Kriminalbeamter sei suspendiert worden. Der Leiter der zuständigen "Direktion K" habe ihn zu spät über die 155 verschwundenen Datenträger informiert. Darüber hinaus wurde bekannt, dass die Beweise von einem Polizeianwärter gesichtet wurden.

Lüdge: Beweismittel verschwunden.

Lügde: Anwalt fordert Betreuung der Opfer

Hallo Niedersachsen -

Das Verschwinden der Beweisstücke zum Kindesmissbrauch in Lügde könnte fatale Folgen für die Opfer haben. Opferanwalt Roman von Alvensleben beklagt zudem fehlende psychologische Hilfe.

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Staatsanwaltschaft vermutet, dass Beweise "verlegt" wurden

Derweil sind Sonderermittler und mehrere Mitarbeiter des Landeskriminalamtes (LKA) sind im Einsatz, um das Verschwinden aufzuklären. Die Staatsanwaltschaft Detmold teilte am Freitag mit, dass die Asservate vermutlich aufgrund nachlässigen Umgangs nicht auffindbar seien. Ein Diebstahl sei aber nicht auszuschließen. Die Datenträger befanden sich demnach in einem Aluminiumkoffer und wurden zuletzt kurz vor Weihnachten gesehen. Der Verlust sei aufgefallen, als sie am 30. Januar in einen extra eingerichteten Asservatenraum bei der Polizei Lippe umgelagert werden sollten.

BDK verweist auf Personalmangel in Lippe

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) verteidigte am Freitag die Polizei: "Seit mehreren Jahren weisen meine Kollegen in Lippe darauf hin, dass sie am Limit arbeiten", sagte der Vorsitzende Sebastian Fiedler dem WDR. Die Kripo sei "ausgeblutet" und liege am Boden, es fehlten in Lippe 75 Mitarbeiter, kritisierte Fiedler. Nun zeige sich, was Personalmangel bedeute. "Wenn der Innenminister davon redet, dass seine Großmutter das besser gekonnt hätte, kommt das bei den Kollegen, die sich da jeden Tag den Hintern aufreißen, nicht so gut an." Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) bekräftigte dagegen am Freitag im WDR seine Kritik. So sei etwa der Einsatz eines Polizeianwärters in dem Fall zwar kein Verstoß gegen die Dienstvorschriften, "ich halte es aber trotzdem für unverantwortlich - gerade in einem derart anspruchsvollen und sensiblen Fall", sagte Reul.

Verschwundene Daten ein Bruchteil der Beweise

Ob auf den verschwundenen CDs und DVDs mit insgesamt 0,7 Terabyte Datenvolumen kinderpornografisches Material war, ist unklar. Die meisten Daten wurden noch nicht gesichtet. Das noch vorhandene Material genügt laut Innenminister Reul jedoch, um die Verdächtigen zu überführen. Insgesamt wurden laut Polizei mehr als 13.000 Fotos und Videos mit kinderpornografischem Material gefunden - wobei darunter wohl auch Fotos von anderen Missbrauchsfällen waren, die die Tatverdächtigen über das Internet getauscht haben sollen. Die Ermittler sprachen von einer Datenmenge von 14 Terabyte. Verschwunden sind somit jetzt rund fünf Prozent.

31 Opfer identifiziert, drei Männer in U-Haft

Tausendfach sollen auf dem Campingplatz Kinder missbraucht worden sein. Bislang sind 31 Opfer im Alter zwischen 4 und 13 Jahren identifiziert, darunter Kinder aus Niedersachsen. Ein 56-Jähriger aus Lügde, ein 33-Jähriger aus Steinheim und ein 48-Jähriger aus Stade sitzen als Hauptverdächtige in Untersuchungshaft. Ihnen wird schwerer sexueller Missbrauch von Kindern und die Verbreitung von Kinderpornografie vorgeworfen. Ermittelt wird zudem gegen drei weitere Verdächtige sowie gegen zwei Polizisten. Vorwürfe gibt es auch gegen die Jugendämter der Landkreise Hameln-Pyrmont und Lippe: Es wird untersucht, ob Mitarbeiter ihre Fürsorgepflicht verletzt haben.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 22.02.2019 | 19:00 Uhr

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