Stand: 24.05.2019 19:13 Uhr

Fall Lügde: Gab es einen weiteren Tatort?

Der Hauptverdächtige, der auf einem Campingplatz in Lügde wohnte, soll wiederholt Urlaube mit Minderjährigen in Thüringen gemacht haben.

Im Fall des massenhaften Missbrauchs auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde prüfen die Ermittler offenbar einen möglichen weiteren Tatort. Wie der "Spiegel" berichtet, soll der 56-jährige Hauptverdächtige vor zehn Jahren wiederholt Tauchurlaube an einem See in Thüringen gemacht haben. Nach Aussage eines Zeugen hätten ihn dabei immer minderjährige Kinder begleitet. Diese habe er als Nachbarskinder vorgestellt. Polizei und Staatsanwaltschaft wollten sich aus ermittlungstaktischen Gründen nicht dazu äußern.

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Pannenserie Lügde: Polizei übersieht Schuppen

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Weitere Vorwürfe gegen die Ermittler im Missbrauchsfall in Lügde: Neue Datenträger sind aufgetaucht - und ein Schuppen des Hauptbeschuldigten auf dem Campingplatz wurde übersehen. Video (06:53 min)

Drohungen gegen Lügdes Bürgermeister

Unterdessen ist Lügdes Bürgermeister Heinrich Josef Reker (parteilos) nach eigenen Angaben Ziel von Hunderten Hassmails und Drohanrufen geworden. "Sätze wie: Ich sollte mit dem Kinderschänder zusammen in eine Zelle gesperrt werden, gehören noch zu den harmloseren Sachen, die ich zu hören bekomme", sagte der 65-Jährige der "Rheinischen Post". Er wolle sich davon aber nicht einschüchtern lassen. Reker beklagte, dass die Menschen in Lügde in Zusammenhang mit dem Kindesmissbrauch unter Generalverdacht gestellt würden.

Prozess soll Ende Juni beginnen

Der jahrelange Missbrauch von Kindern im Alter zwischen 4 und 13 Jahren an der Landesgrenze zu Niedersachsen soll ab Ende Juni in einem Prozess strafrechtlich aufgearbeitet werden. Dem Hauptverdächtigen wirft die Staatsanwaltschaft in der Anklage 293 Fälle vor. Ein Komplize aus Stade ist mitangeklagt, weil er unter anderem in mindestens vier Fällen an Webcam-Übertragungen des Dauercampers teilgenommen haben soll. Die Anklage gegen einen dritten Beschuldigten aus Nordrhein-Westfalen ist gerade erst beim Landgericht Detmold eingegangen. Details hierzu sind noch nicht bekannt.

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Zwei Angeklagte, 22 Opfer und hundertfacher Missbrauch: Das Landgericht Detmold hat erstmals erschreckende Details aus der Anklage gegen die Beschuldigten im Lügde-Fall genannt. (17.05.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 24.05.2019 | 18:00 Uhr

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