Stand: 03.07.2019 15:46 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Fall Lügde: Ermittlungen gegen Eltern von Opfern

Im Fall des massenhaften sexuellen Missbrauchs von Kindern auf einem Campinfplatz im nordrhein-westfälischen Lügde ermittelt die Staatsanwaltschaft offenbar auch gegen Eltern wegen Beihilfe. Das berichtet das "Mindener Tageblatt". Demnach ist das der Grund dafür, dass diese Eltern im Prozess vor dem Landgericht Detmold gegen mittlerweile zwei Angeklagte bislang nicht als Zeugen ausgesagt haben. Die Ermittlungen sollen sich unter anderem gegen die 40-jährige Mutter von zwei Töchtern richten, die von Andreas V. und Heiko V. missbraucht worden sein sollen.

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Angeklagte gestehen Missbrauch in Lügde

27.06.2019 19:30 Uhr
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Der Prozess um hundertfachen Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Lügde hat mit Geständnissen begonnen. Andreas V. und Mario S. drohen bis zu 15 Jahre Haft. Video (05:49 min)

Kinder trotz Vorwürfen zu Andreas V. geschickt?

Die Zeitung zitiert eine Opferhelferin des Weißen Rings. Diese halte es für möglich, dass die Kinder der 40-Jährigen schon vor der Verhaftung von Andreas V. von den Übergriffen berichtet haben könnten. Doch die Mutter hätte ihnen nicht geglaubt. Der Weiße Ring geht aber nicht von einer aktiven Unterstützung des Missbrauchs durch die Mutter aus. Die Staatsanwaltschaft ermittele zudem gegen einen alleinerziehenden Vater wegen Beihilfe, heißt es in dem Bericht. Er soll seine Kinder auf den Campingplatz geschickt haben, obwohl ihm die Vorwürfe gegen Andreas V. bekannt gewesen sein sollen.

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Kinder hatten Angstträume

Auch andere Kinder sollen laut dem Bericht Andeutungen gegenüber ihren Eltern gemacht haben. Doch die Eltern hätten Ermittlern gegenüber später gesagt, dass die Wochenendbetreuung durch Andreas V. weggefallen wäre, wären sie den Hinweisen nachgegangen. Es soll noch weitere indirekte Hinweise gegeben haben. So sollen einige Kinder nach Besuchen bei Andreas V. über Angstträume geklagt haben. Andere wollten demnach partout nicht mehr auf den Campingplatz.

Jugendamt und Polizei stehen in der Kritik

Die Hauptangeklagten Andreas V., 56 Jahre alt, und Mario S., 34 Jahre alt, sollen über einen Zeitraum von fast 20 Jahren auf dem Campingplatz in an der Landesgrenze zu Niedersachsen mehr als 40 Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht haben. Die jüngsten Opfer waren laut Anklage gerade einmal vier Jahre alt. Allein bei V. geht es um fast 300 Taten. Eines der Opfer soll seine Pflegetochter gewesen sein, die mit ihm auf dem Campingplatz gelebt hatte. Sie stammt aus dem Landkreis Hameln-Pyrmont. Das Jugendamt des Landkreises steht wie auch die Polizei massiv in der Kritik, weil es Hinweisen auf sexuellen Missbrauch auf dem Campingplatz nicht nachgegangen sein soll. Ein dritter Angeklagter stammt aus Stade. Er soll die Taten im Internet verfolgt und teilweise zu ihnen angestiftet haben. Das Verfahren gegen den 49-Jährigen wurde vom Hauptverfahren abgetrennt. Alle drei Angeklagten haben bereits gestanden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 28.06.2019 | 18:00 Uhr

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