Stand: 23.05.2019 17:30 Uhr

Fall Lügde: Anklage gegen dritten Beschuldigten

Die Staatsanwaltschaft hat im Fall Lügde (Nordrhein-Westfalen) nun auch gegen einen dritten Tatverdächtigen Anklage erhoben. Ein Sprecher des Landgerichtes Detmold bestätigte am Donnerstag den Eingang der Schrift. Das Gericht werde dem 34-jährigen Beschuldigten die Anklage zuleiten und um Stellungnahme bitten. Details zu den Vorwürfen will das Gericht erst nennen, wenn die Anklage zugestellt ist. Nach den Erkenntnissen der Ermittler soll der Mann aus Steinheim bei Höxter ebenfalls Kinder auf dem Campingplatz in Nordrhein-Westfalen missbraucht und dabei gefilmt haben.

16 mutmaßliche Opfer als Nebenkläger zugelassen

Das Landgericht hat bislang 16 mutmaßliche Opfer als Nebenkläger zugelassen. Sie werden nach Angaben des Sprechers in der anstehenden Hauptverhandlung von neun Rechtsanwälten vertreten. Die Anzahl kann sich nach Angaben des Gerichts bis zum bisher geplanten Prozessauftakt allerdings noch ändern. Um sich der Zahl der einzelnen Taten möglichst genau zu nähern, sollen die Ermittler sie nach Recherchen von NDR und WDR aufgrund der Zeugenaussagen und Tatzeiträume geschätzt haben. Im Fall der Pflegetochter des Hauptbeschuldigten gehen sie offenbar von mindestens einer Tat pro Woche aus. Laut Recherchen von NDR und WDR sollen Dutzende Fotos gefunden worden sein, die zeigen, dass sich der Hauptbeschuldigte an ihr vergangen hat.

Hauptbeschuldigter bleibt in U-Haft

Gegen den Hauptverdächtigen sei am Donnerstag ein neuer Haftbefehl verkündet worden, der an die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft angepasst sei, hieß es vom Gericht weiter. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 56-Jährigen in der Anklage nun 293 Fälle vor. Er soll sich unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen, schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie des Besitzes von kinderpornografischen Schriften verantworten. Der Mann sitzt seit Monaten in U-Haft, die am Donnerstag verlängert wurde: Der Angeklagte bleibt im Gefängnis, bis der Prozess beginnen soll, entschied ein Richter.

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Auf diesem Campingplatz sollen die Verdächtigen über Jahre Kinder missbraucht haben. (Archiv)
42.719 Bild- und Videodateien gefunden

Ein mutmaßlicher Komplize des 56-Jährigen ist mitangeklagt, weil er unter anderem in mindestens vier Fällen an Webcam-Übertragungen des Dauercampers teilgenommen haben soll. Teilweise soll der 49-Jährige aus Stade den Hauptverdächtigen vorher ausdrücklich zum Missbrauch aufgefordert haben. Darüber hinaus sollen bei dem Mann aus Stade insgesamt 42.719 Bild- und Videodateien mit kinder- und jugendpornografischem Inhalt gefunden worden sein.

Auf dem Campingplatz in Lügde an der Grenze zu Niedersachsen sollen mehr als 40 Kinder zwischen vier und 13 Jahren über mehrere Jahre sexuell missbraucht worden sein. Drei der Beschuldigten sitzen in Untersuchungshaft, gegen fünf weitere wird ermittelt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 23.05.2019 | 18:00 Uhr

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