Stand: 12.04.2018 15:43 Uhr

Fall "Chico": Stadt zahlt Computertomografie

Die Stadt übernimmt die Kosten für die computertomografische Untersuchung (CT) des Staffordshire-Mischlings "Chico". Das bestätigte Heiko Schwarzfeld, Geschäftsführer des Tierschutzvereins Hannover, auf Anfrage von NDR.de. Auch die Unterbringung im Tierheim zahle die Stadt. Wie hoch die Kosten insgesamt sind, teilten Stadt und Tierheim nicht mit. Die CT-Untersuchung war am Mittwoch von zwei Experten der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) angeordnet worden, um die Ursache einer Schwellung am Kiefer des Hundes zu klären. Der Staffordshire-Mischling hatte in der vergangenen Woche seinen 27-jährigen Halter und dessen 52-jährige Mutter totgebissen.

Termin für Wesenstest steht noch nicht fest

Die CT-Untersuchung solle "möglichst zeitnah" in der Kleintierklinik der TiHo durchgeführt werden. "Je nach dortigem Befund und möglicher Therapie kann dann der Termin für den Wesenstest ins Auge gefasst werden", so Schwarzfeld.
Für den Wesenstest sei es notwendig, dass der Hund einen Maulkorb tragen kann, sagte TiHo-Professor Hansjoachim Hackbarth gegenüber NDR 1 Niedersachsen. Wenn dieser jedoch immer wieder die Stelle am Kiefer berühre und Schmerzen auslöse, sei der Test überhaupt nicht aussagekräftig. Erst nach einem Wesenstest könne die Frage seriös beantwortet werden, ob "Chico" so gefährlich ist, dass er eingeschläfert werden muss. Am Dienstag durfte "Chico" erstmals seinen Zwinger im Tierheim verlassen. Nach Angaben eines Sprechers sei er mit einem erfahrenen Tierpfleger Gassi gegangen. Dabei habe es keine Zwischenfälle gegeben.

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"Chico" darf leben - vorerst

Die Stadt Hannover prüft nach eigenen Angaben, ob der Hund möglicherweise dauerhaft in einem speziell gesicherten Tierheim für auffällig gewordene Tiere untergebracht werden kann. Bei der Entscheidung für oder gegen eine Einschläferung des Tieres spielen nach Angaben von Stadtsprecher Udo Möller Vorschriften des Gefahrenabwehrrechts und des Tierschutzgesetzes eine Rolle. "Oberste Priorität hat für uns, eine Gefährdung Dritter auszuschließen", sagte Stadtrat Axel von der Ohe.

Staatsanwaltschaft eingeschaltet

Nachdem die Stadt Hannover gravierende Versäumnisse eingeräumt hat, befasst sich nun auch die Staatsanwaltschaft mit dem Fall "Chico". Zuvor hatte die Stadt den Kontakt aufgenommen. Oberstaatsanwalt Thomas Klinge sagte NDR.de, dass er von einer schwierigen rechtlichen Prüfung ausgehe, da der Zeitpunkt, an dem Fehler gemacht wurden, so lange zurückliege. Wohin sich die Prüfung der Staatsanwaltschaft entwickeln werde, sei noch nicht absehbar. Auch die drei Hinterbliebenen der 52-Jährigen und des 27-Jährigen, die am Dienstag vor einer Woche von dem Staffordshire-Mischling getötet wurden, haben über einen Anwalt die Staatsanwaltschaft kontaktiert. Nach Angaben von Rechtsanwalt Andreas Hüttl geht es derzeit nicht darum, rechtlich gegen einzelne Mitarbeiter der Stadt vorzugehen. Ob die drei Schwestern des 27-Jährigen Schadenersatzforderungen erheben, sei aber noch nicht absehbar, sagte Hüttl NDR.de.

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Fehler im Jahr 2011: Gesteigerte Aggressivität festgestellt

Klar wurde am Montag, dass es im März 2011 zu dem schwerwiegenden Fehler gekommen ist. Damals bekam die Stadt Hinweise vom Amtsgericht, dass es Probleme mit der Familie, die unter gesetzlicher Betreuung stand, und dem Hund gebe. Drei Stellungnahmen gingen an die Veterinärbehörde - von der Familienbetreuerin, einer Hundetrainerin sowie ein psychiatrisches Gutachten. Das Ergebnis: Der Hund zeige eine gesteigerte Aggressivität und der 27-jährige sei als Halter ungeeignet. Der Halter sei nach den Stellungnahmen aufgefordert worden, das Tier bei der Stadt vorzustellen, so von der Ohe am Montag. Dies aber tat er nicht. Daraufhin beschloss die Behörde nach weiterer Prüfung, den Hund als gefährlich einzustufen und aus der Familie zu holen. Doch genau das geschah nicht.

280.000 Unterschriften für Online-Petition

Mit der erneuten Begutachtung des Tieres reagiert die Stadt auf einen entsprechenden Vorschlag des Tierschutzvereins Hannover. Dessen Geschäftsführer Heiko Schwarzfeld sagte gegenüber NDR 1 Niedersachsen: "Es verletzt das Rechtsempfinden vieler Menschen, wenn an dem Hund die Todesstrafe vollstreckt werde." Er bezieht sich damit auch auf die Online-Petition "Lasst Chico leben". Diese haben bereits mehr als 280.000 Menschen unterschrieben.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 09.04.2018 | 19:30 Uhr

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