Stand: 06.08.2018 15:47 Uhr

Elfen und Trolle befriedet: Keine A2-Unfälle mehr?

Tempolimits, mehrspurige Baustellen, elektronische Stauwarnungen: Die Liste der Rezepte gegen die Unfallhäufigkeit auf der Autobahn 2 ist lang. Trotzdem kam es immer wieder zu verheerenden Crashs auf der A2: Über 3.500 Unfälle gab es auf dem niedersächsischen Abschnitt laut Polizei in 2017. Erst am Montag kollidierten zwei Lkw nahe Peine. Doch was, wenn an all dem Fabelwesen Schuld sind? Überzeugt davon ist Melanie Rüter, selbsternannte Elfenberaterin aus Deensen im Landkreis Holzminden. Sie hat der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr deshalb ihre Hilfe im Kampf gegen verärgerte Elfen, Trolle und Zwerge angeboten - und die Beamten griffen prompt zu. Zuerst hatte die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" (HAZ) berichtet. Das Ergebnis: Spirituelle Rituale an der Autobahn, Gespräche mit Wildschweinen und eine Behörde, die einräumen muss: Zumindest punktuell hat sich seit der übersinnlichen Mission tatsächlich etwas getan.

Behörde meets Elfenberaterin

Wie die Elfenberaterin Melanie Rüter aus Deensen (Landkreis Holzminden) gegenüber NDR.de bestätigte, hat sie am 19. Juni zusammen mit ihrer Kollegin Marion Lindhof, einer Tierkommunikatorin, und Mitarbeitern der Landesstraßenbaubehörde fünf neuralgische Punkte an der A2 zwischen Lehrte und Braunschweig aufgesucht. Darunter waren die Teilstücke bei Hämelerwald und Braunschweig-Flughafen. "Ich hatte der Behörde einfach mal eine E-Mail geschrieben, aber ehrlich gesagt nicht mit einer Antwort gerechnet", sagte Rüter. "Ich hätte eher erwartet, dass die einen Wagen vorbeischicken, um mich einliefern zu lassen." Mitgenommen wurde sie auch - allerdings von ein paar Behördenmitarbeitern zum offiziellen Autobahn-Termin.

Der Bürgermeister einer Gemeinde vor einem Ortsschild.

Realer Irrsinn: Wunderheiler gegen Unfälle

extra 3 -

Wenn selbst Geschwindigkeitsbegrenzungen oder bauliche Maßnahmen nicht zu weniger Unfällen auf der Straße führen, dann entdecken sogar biedere kommunale Verkehrspolitiker ihre esoterische Ader.

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Ortstermin mit Wildschwein-Gespräch

An der A2 hätten die Frauen sofort "sehr traurige Energien" gespürt, so Rüter. Die Botschaft der unsichtbaren Naturwesen? Laut der Beraterin völlig eindeutig: Die Wesen seien erbost gewesen, weil die Autobahntrasse auch durch Wälder hindurch geschlagen wurde - und zwar ohne die übernatürlichen Bewohner vorher zu informieren. "Wenn ihr Haus abgerissen wird, sind sie auch froh, wenn sie vorher gefragt werden", sagt Rüter. Doch auch das Tierreich hatte offenbar seine offenen Rechnungen mit der A2. Die Tierkommunikatorin Marion Lindhof stieß nach eigener Aussage in der Nähe der Anschlussstelle Braunschweig-Flughafen auf renitente Wildschweine: "Halbstarke", wie sie sie nennt. Die Borstentiere seien verärgert gewesen, weil sie aus ihrem Revier vertrieben worden waren. "Ich habe ihnen gesagt, dass es Probleme geben würde, wenn sie auf die Autobahn laufen", so Lindhof. Tage später hätten die Wildschweine dann auch beteuert, ein anderes Gebiet aufzusuchen.

A2 "energetisch versiegelt"

Auch Elfenberaterin Marion Rüter konnte nach eigener Aussage etwas erreichen. Sie habe bei den Elfen, Trollen, Zwergen und Feen um Verzeihung gebeten und damit die Unfallschwerpunkte an der A2 "energetisch versiegelt". Für sie ist es keine Zauberei: "Mit solchen Wesen reden kann jeder", sagt sie. "Nur hört einfach niemand hin." Sie habe das hingegen schon immer gekonnt. Beide Frauen sind fest überzeugt: Die künftigen Unfallzahlen werden den Erfolg ihrer Mission bestätigen. Und tatsächlich: Auch der Chef der Landesstraßenbaubehörde in Hannover, Friedhelm Fischer, muss einräumen: Zumindest an einem der neuralgischen Punkte bei Hämelerwald hätten sich seit dem Besuch der Elfenbeauftragten keine schweren Unfälle mehr ereignet - und das, obwohl es dort erst seit einigen Wochen eine neue Baustelle gibt. Über die anderen Punkte konnte Fischer auf Nachfrage noch keine Aussage treffen.

Behörde: Keine zusätzlichen Kosten

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Als "wissenschaftlich-skeptisch" sieht sich Friedhelm Fischer von der Straßenbaubehörde. Aber man kann ja nie wissen ...

Doch wie ernst nimmt man in der Behörde den Einsatz der beiden Frauen? Immerhin hatte man sie ja höchst offiziell zum Vor-Ort-Termin eingeladen. Behördenchef Fischer begründete die ungewöhnliche Maßnahme damit, dass sein Haus eine offene Behörde sei, die allen Bürgern gerecht werden wolle und viele Aktivitäten unterstütze. Er selbst sei aber eher ein "wissenschaftlich-skeptischer Typ." In Island arbeiten Behörden und "Elfen-" oder "Trollberater" regelmäßig zusammen: Dort ist es gängige Praxis, bei Bauprojekten die Fabelwesen zunächst anzuhören. Der niedersächsischen Behörde sind bei der Aktion jedenfalls keine Kosten entstanden - der Einsatz war mit einer Streckenkontrollfahrt und kleinen Reparaturen an einem Wildschutzzaun verbunden worden. Auch Elfenberaterin Rüter beteuert: "Wir haben das nicht aus finanziellem Interesse gemacht, sondern weil wir den Menschen helfen wollen."

Erfolg der Elfen-Mission unklar

Die Behörde will die Entwicklung im Auge behalten. Allerdings sei eine verlässliche Aussage über den möglichen Erfolg der "übersinnlichen" Berater gar nicht möglich, so Fischer: "Wir gucken uns die Unfallzahlen natürlich an", sagte der Behörden-Chef. Doch ob mögliche Veränderungen in der Statistik mit der Arbeit der Frauen zu tun haben - das sei am Ende nicht nachvollziehbar. Bislang wird in den Unfallberichten der Polizei jedenfalls regelmäßig sehr irdisches Fehlverhalten von menschlichen Verkehrsteilnehmern als Grund für schwere und auch tödlich verlaufende Unfälle genannt: Baustellen, zu hohe Geschwindigkeit, zu geringer Sicherheitsabstand, Smartphone-Nutzung am Steuer, Überschreitung von Lenkzeiten. Ein weiterer Termin mit Elfenberaterin und Tierkommunikatorin sei auch erst einmal nicht geplant.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional | 06.08.2018 | 17:00 Uhr

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