Der Eingang der Continental-Firmen-Zentrale in Hannover. © picture alliance Foto: Julian Stratenschulte

Dieselgate: Ermittler haben Ex-Conti-Chef Degenhart im Fokus

Stand: 18.11.2021 21:09 Uhr

Die anhaltenden Ermittlungen gegen Continental ziehen weitere Kreise. Am Mittwoch war Finanzchef Wolfgang Schäfer über die Diesel-Affäre gestürzt und vom Aufsichtsrat abberufen worden.

Elmar Degenhart, Continental-Vorstandschef, spricht beim Richtfest für die neue Continental-Unternehmenszentrale. © dpa Foto: Sina Schuldt
Elmar Degenhart war von August 2009 bis Dezember 2020 Vorstandsvorsitzender bei der Continental AG. (Archivbild)

Neben Schäfer stehen nun auch Ex-Vorstand Elmar Degenhart sowie ein weiterer Ex-Manager im Fokus der Staatsanwaltschaft Hannover, wie ein Behördensprecher am Donnerstag mitteilte. Die Vorwürfe lauteten auf Beihilfe zu Betrug und Untreue sowie auf vorsätzliche Verletzung der Aufsichtspflicht. Die Staatsanwaltschaft gab bekannt, dass zudem Ermittlungen gegen zwei Mitarbeiter unterhalb der Vorstandsebene liefen.

Fahnder stellen Unterlagen bei Conti-Anwalt sicher

Am Mittwoch hätten Ermittler in einer von Conti beauftragten Rechtsanwaltskanzlei Daten und Unterlagen sichergestellt. Das war nicht die erste Razzia bei Conti im Rahmen der VW-Diesel-Affäre. Fahnder durchsuchten mehrfach Büros an Standorten von Conti, unter anderem die Compliance-Abteilung in Frankfurt sowie Privatwohnungen. "Im Rahmen der Auswertung der bisher beschlagnahmten Unterlagen stoßen wir immer wieder auf Hinweise und neue Erkenntnisse", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Diese Erkenntnisse hätten zu dem jüngsten Einsatz geführt.

Conti hat Software für VW-Dieselmotor entwickelt

Continental hat eine Software entwickelt, die in VW-Dieselmotoren verbaut ist. Die Ermittler glauben, dass Conti-Mitarbeiter in den Jahren 2006 bis 2015 an Abgasmanipulationen von Volkswagen beteiligt waren. Das Unternehmen widersprach und gab an, die Software zur Motorensteuerung nach Kundenbedürfnissen programmiert zu haben. An der Manipulation sei Conti nicht beteiligt gewesen.

Der ehemalige Continental-Finanzvorstand Wolfgang Schäfer steht bei einem Fototermin in der Konzernzentrale. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte
Continental hat Finanzchef Wolfgang Schäfer nach internen Untersuchungen im VW-Dieselskandal entlassen. (Archivbild)
Schäfer stolpert über interne Untersuchung

Der am Mittwoch entlassene Finanzchef Schäfer, 62 Jahre alt, saß seit 2010 in der Führungsetage. Er war dort zuletzt unter anderem auch für Controlling und die Einhaltung rechtlicher Standards zuständig. Im Zusammenhang mit den Ermittlungen rund um den Diesel-Skandal hatte der Automobilzulieferer aus Hannover eine eigene interne Untersuchung durchgeführt. Deren Ergebnisse sollen nun der Hauptgrund dafür sein, dass Schäfer gefeuert wurde. Im Rahmen der Prüfung einer möglichen Mitverantwortung seien "Defizite bei der andauernden Aufklärung" der Diesel-Affäre zutage getreten, teilte Continental mit.

Nikolai Setzer spricht während eines Interviews. © dpa-Bildfunk Foto: Peter Steffen
Conti-Vorstand Nikolai Setzer übernimmt vorerst die Aufgaben vom entlassenen Finanzchef Schäfer. (Archivbild)
Setzer übernimmt Schäfers Aufgaben kommissarisch

Schäfers Vertrag war im Jahr 2019 bis Ende 2024 verlängert worden. Kommissarisch soll nun Vorstandschef Nikolai Setzer die Ressorts von Schäfer übernehmen, die Aufgaben auf der Ebene darunter führt vorerst die Managerin Katja Dürrfeld fort. Über die dauerhafte Nachfolge Schäfers müsse noch entschieden werden.

Aktie fällt um vier Prozent auf 106,38 Euro

Die aktuellen Entwicklungen in dem hannoverschen Unternehmen machte sich am Donnerstag weltweit bemerkbar. Anleger straften den Konzern an der Börse ab. Continental war mit einem Minus von vier Prozent auf 106,38 Euro größter Verlierer.

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Das Rathaus am Maschsee. © NDR Foto: Julius Matuschik
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 18.11.2021 | 18:00 Uhr

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