Stand: 24.04.2020 09:12 Uhr

Die Suche nach Alternativen zur Küken-Tötung

In einem Stall sind zahlreiche Hähne zu sehen. © dpa - Bildfunk
Dürfen weiterleben: Hähne in einem Stall.

Jedes Jahr werden rund 45 Millionen frisch geschlüpfte Küken getötet, weil sie das falsche Geschlecht haben. Die Tiere gehören zu einer Geflügellinie, die auf das Legen von Eiern gezüchtet wurde. Während die Weibchen als Legehennen begehrte Nutztiere sind, hat die auf Effizienz orientierte Geflügelbranche für die männlichen Tiere keine Verwendung. Initiativen wie die Mast von sogenannten Bruderhähnen oder die Züchtung von "Zweinutzungshühnern" könnten das Problem lösen - doch Experten sehen darin keine realistische Alternative.

"Zweinutzungshühner" legen weniger Eier

Die Tierärztliche Hochschule (TiHo) Hannover stellte vor einem Jahr Forschungsergebnisse zu einem neu gezüchteten "Zweinutzungshuhn" vor - also zu einer Rasse, die sich sowohl fürs Eierlegen als auch für die Mast eignet. Nach wie vor gebe es viele offene Fragen und Bedarf an weiteren Züchtungen, sagt Forschungsleiterin Silke Rautenschlein. Im Vergleich zu den konventionellen Hühnern legen die Weibchen der "Zweinutzungshühner" weniger Eier. Statt rund 300 im Jahr sind es nur 250. Unterschiede gibt es auch bei den Hähnchen: Die "Zweinutzungshähne" müssen etwa doppelt so lange gehalten werden wie konventionelle Masthähnchen, um mit einem Gewicht von zwei Kilo geschlachtet werden zu können.

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"Futter ist der größte Kostenfaktor"

Diese Werte sind ernüchternd für die konventionelle Hühner- und Hähnchenhaltung. "Das Futter ist der größte Kostenfaktor in der Geflügelhaltung", erklärt Rautenschlein. Auch das Fleisch sei schwer an die Kunden zu bringen. Ein "Zweinutzungshähnchen" sehe deutlich anders aus und sei unattraktiver als das gewohnte Masthähnchen, sagt Hans-Wilhelm Windhorst, Leiter des Wissenschafts- und Informationszentrums Nachhaltige Geflügelwirtschaft in Vechta. In der konventionellen Landwirtschaft spielen also "Bruder- und Zweinutzungshuhn" aus wirtschaftlichen Gründen keine große Rolle.

Biokunden sind keine expliziten Fleischkunden

Umso wichtiger sind sie aber für den Bio-Markt. Aber auch hier mache die Fleischvermarktung Sorgen, sagt Lisa Minkmar von der Bruderhahn-Initiative Deutschland. Biokunden seien überwiegend eben keine expliziten Fleischkunden. Das sei das Problem, "weil auch das Fleisch verkauft werden soll, sonst funktioniert das ganze Prinzip nicht".

Züchter setzen auf Geschlechtererkennung vorm Schlüpfen

Eine Möglichkeit, langfristig die Tötung der männlichen Küken zu vermeiden, könnte die frühe Geschlechtererkennung vor dem Schlüpfen sein. Auf diese setzt die konventionelle Geflügelbranche. Erste entsprechende Eier sind zwar schon im Handel, aber es wird noch dauern, bis eine ausreichend große Zahl an Eiern getestet werden kann. Wenn es gut laufe, sind es bis 2025 zehn Millionen Eier, sagt Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG). Es gibt bei einigen Verfahren auch noch Bedenken seitens des Tierschutzes, weil nicht bewiesen sei, dass die Embryos in den Eiern bei den Tests nicht doch Schmerzen empfänden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 24.04.2020 | 12:00 Uhr

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