Stand: 28.11.2018 16:28 Uhr

Die Cebit hat sich kräftig verhoben

Nach sinkenden Besucherzahlen wird die IT-Messe Cebit in Hannover eingestellt. Angesichts rückläufiger Flächenbuchungen für die Cebit 2019 sollen die "industrienahen Digitalthemen" der Cebit künftig in der Hannover Messe weitergeführt werden. Für die übrigen Themenfelder sollten spezielle Fachveranstaltungen entwickelt werden, die sich gezielt an einzelne Branchen richten. Mit dem jetzt verkündeten Aus endet eine 33-jährige Geschichte der Cebit.

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Das zuletzt umgesetzte Cebit-Konzept war zu wenig, um Aussteller und Besucher zu überzeugen, meint Ulrich Czisla.

Das ist wirklich schade. Alle, die etwas übrig hatten für das "Centrum für Büroautomation, Informationstechnologie und Telekommunikation" - so heißt die Cebit ausgeschrieben -, werden das Ende der Messe bedauern. Jahrzehntelang war die Computerschau ein Aushängeschild für Hannover, für Niedersachsen, für den Norden. Deutschland - so die Botschaft - kann nicht nur Industriemaschinen, sondern auch IT-Technologie. Und zwar in all seinen Varianten: Rechner, Bildschirme, Software, Internet, Industrielösungen, Mobilfunk, Automotive und noch vieles mehr ...

Spezialisiertere Konkurrenten haben die Nase vorn

Letztendlich wollte die Cebit immer alles - und hat sich daran schließlich verhoben. Was zur Jahrtausendwende, der Hochzeit der Cebit, noch ging, damals, als noch mehr als 800.000 Menschen auf die Messe strömten, funktionierte irgendwann nicht mehr. Da hatten plötzlich kleinere und vor allem spezialisiertere Konkurrenten der Cebit die Nase vorn.

Die Handybranche sammelt sich Jahr für Jahr in Barcelona, die Unterhaltungselektronik-Hersteller treffen sich in Las Vegas oder bei der IFA in Berlin. Und wer IT-Industrie-Lösungen für seine Unternehmen sucht, der geht lieber gleich zur Hannover Messe - zur richtigen, nicht zum Computer-Ableger, der Cebit.

Neue Konzepte haben nicht funktioniert

Am Ende ist den Machern der IT-Schau ein erfolgreicher Umschwung nicht gelungen. Fast verzweifelt haben sie in den vergangenen Jahren ihre Nische gesucht, ihr Alleinstellungsmerkmal, etwas, das den stetigen Aussteller- und Besucherschwund aufhalten konnte. Aber weder die Konzentration auf Fachbesucher, auf die sogenannten Entscheider, hat den erhofften Erfolg gebracht, noch die Ausrichtung auf Konferenzen und Fachvorträge, oder - wie zuletzt - auf Unterhaltung und eine neue Leichtigkeit.

Letztendlich kamen all diese Ansätze zu spät, waren nicht konsequent genug oder wurden anderenorts schon besser und länger verfolgt.

Aussteller wollen Erfolge sehen

Dazu kommt: Viele Unternehmen überlegen sich mittlerweile sehr genau, welche Messen sie im Laufe eines Jahres besuchen: eine Präsenz - egal ob in Hannover, Las Vegas oder Barcelona - ist sehr teuer. Wer Hunderttausende oder sogar Millionen Euro in einen Stand investiert, der will auch Erfolge sehen. Möglichst belegbar in abgeschlossenen Verträgen. Vielleicht ist dafür ein Spaß- und Mitmach-orientiertes Konzept, wie es die Messegesellschaft zuletzt verfolgte, doch zu wenig.

Der Norden hat viel verloren

Das Bedauern über das Aus der Cebit ist einhellig. Tatsächlich hat Niedersachsen, hat der Norden damit viel verloren. Ein klares und treffendes Resümee hat der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) gezogen: Der digitale Wandel - so sagte er - findet inzwischen überall statt, auch auf allen anderen Messen. Die Cebit sei insofern ein Opfer des eigenen Erfolges geworden.

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NDR Info | Kommentar | 28.11.2018 | 17:08 Uhr

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