Blick von hinten auf ein kleines Kind, das auf einem Spielplatz zu Schaukelreifen läuft. © dpa Foto: Christoph Soeder

Corona-Pandemie: Arzt warnt vor Folgen für Kinder

Stand: 01.02.2021 14:15 Uhr

Nach Ansicht des hannoverschen Kinderarztes Thomas Buck leiden Kinder massiv unter den Einschränkungen in der Corona-Pandemie. Er befürchtet langfristige Schäden.

"Wir laufen derzeit Gefahr, etwa 20 Prozent der Kinder einfach von ihrer weiteren Entwicklung abzuhängen - in sprachlicher Hinsicht, in gesundheitlicher Hinsicht", sagte Buck, der auch Mitglied des Landesvorstands der Ärztekammer ist, der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (Montag). In den Arztpraxen sehe man die Folgen des Lockdowns: "Bewegungsmangel, Sprachentwicklungsstörungen, psychische Probleme, Depression und Traurigkeit. Die Jugendlichen verlieren ihre Kontakte in der Schule und damit ihre Jugend."

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Mediziner übt Kritik an Regel für Präsenzunterricht

Auch Schuleingangsuntersuchungen belegten, dass Leistungsstörungen erheblich zugenommen hätten, so Buck gegenüber der Zeitung. Bei kleinen Kindern werde es spürbar, wenn sie nicht mehr in der Kita mit Nahrung versorgt würden. "Das ist in unserer Gesellschaft, die gerne über Armut hinwegschaut, ein echtes Problem." Buck kritisierte zudem, dass den Eltern von Grundschulkindern die Wahl überlassen bleibt, ob sie ihre Kinder in den Präsenzunterricht schicken. "Die Verantwortung für den gefahrlosen Schulbesuch muss das Kultusministerium tragen, nicht die Eltern", so der Mediziner. Die Entscheidung müssten letztlich die Lehrkräfte treffen. Er vermisse bei den Schulen im Hinblick auf die Corona-Pandemie eine langfristige Strategie für die Öffnung und eine bessere Ausstattung der Schulen, sagte Buck.

Ärztekammer-Präsidentin: Kein Grund zur Entwarnung

Niedersachsens Ärztekammer-Präsidentin Martina Wenker erneuerte dagegen ihre Kritik an der Öffnung der Grundschulen. Es sei geboten die Schulen in Niedersachsen "endlich für eine gewisse Zeit komplett zu schließen und nur noch Distanzunterricht abzuhalten", so Wenker. Die Infektionszahlen würden zwar aktuell leicht sinken, es gebe aber noch keinen Grund zur Entwarnung. "Wir sollten jetzt konsequent handeln, da die Impfungen in Aussicht sind. Sonst könnten wir unsere Inkonsequenz eventuell sehr bereuen", sagte sie. Wenker verwies dabei auf mehrere veröffentlichte Studien. Diese würden dokumentieren, dass Kinder sich nicht nur anstecken, sondern auch, dass die Infektion bei ihnen überwiegend asymptomatisch verläuft.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 01.02.2021 | 12:00 Uhr

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