Corona-Lockerung: Gastronomie und Hotels reagieren verhalten

Stand: 04.05.2021 15:53 Uhr

Die Ankündigung vorsichtiger Lockerungsschritte hat bei Niedersachsens Gastronomen und Hoteliers geteilte Reaktionen ausgelöst. Die Landesregierung hat mehr Freiheiten für die Wirtschaft angekündigt.

Voraussetzung dafür ist eine belastbare Sieben-Tage-Inzidenz von unter 100 Infektionen pro 100.000 Einwohnern. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sagte am Dienstag, das Land sei gut durch die dritte Corona-Welle gekommen. Deswegen solle nun nach und nach geöffnet werden. Man wolle Spielräume nutzen, aber vorsichtig und abgesichert. Wer tagesaktuell negativ auf das Coronavirus getestet ist, soll ab Montag im Einzelhandel ohne Termin einkaufen können. Gleiches gilt für vollständig Geimpfte. Auch Hotels, Ferienwohnungen, Campingplätze und die Außengastronomie können ab Montag öffnen.

Geltende Regelungen zu umständlich?

Martin Zackariat ist Vorsitzender des Hotel und Gaststättenverbands Dehoga in Lüneburg und betreibt selbst ein Hotel und Restaurant in Heiligental. Er sieht nach Monaten nun wieder eine Perspektive. Allerdings hätte er sich gewünscht, mehr als die zunächst genehmigten 60 Prozent der Betten anbieten zu können. Deshalb hofft Zackariat, dass in den kommenden Wochen weiter gelockert wird. Ulrich von dem Bruch, Geschäftsführer des Lüneburger Heide Marketings, ist dagegen überhaupt nicht einverstanden. Er kritisiert, dass zunächst keine Touristen aus anderen Bundesländern in Niedersachsen übernachten dürfen. Insgesamt hält er die ab Montag geltenden Regeln für zu umständlich. Aber es gibt auch Sorgen: In Bad Bevensen, einem der größten Kurorte im Nordosten, wird befürchtet, dass durch Touristen die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis wieder über die Marke von 100 steigen könnte und dann wieder die "Bundes-Notbremse" greift.

 

Zweifel an der Küste

Auch an der Küste hegt man gewisse Zweifel an den geplanten Schritten. Sowohl Spiekeroogs Bürgermeister Matthias Piszczan (CDU) als auch Dangasts Kurdirektor Johann Taddigs sagen, dass es gar keine ausreichenden Testmöglichkeiten in den Urlaubsorten gebe. Die strengen Regeln aus Hannover gingen an der Praxis völlig vorbei, so Taddigs. Auf Spiekeroog zum Beispiel werden einmal pro Woche maximal 300 Menschen getestet. Auf Borkum sieht es besser aus: Die Insel schafft 3.000 Tests am Tag. Das dürfte für den Anfang reichen, heißt es dort. Bei der Dehoga habe man durchaus Bedenken, ob sich der Tourismus unter diesen Voraussetzungen wirklich lohnt, so Vizepräsidentin Birgit Kolb-Binder. Es gelte nun, die Verordnung des Landes abzuwarten.

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Dem Dehoga-Bezirksverband Osnabrück (Emsland/Grafschaft Bentheim) reichen die Lockerungsschritte nicht. Der Vorsitzende Wolfgang Hackmann, der selbst unter anderem ein Hotel betreibt, nannte die Signale aus Hannover unbefriedigend. Dass man nur die Außengastronomie öffnen und in den Hotels nur Gäste aus Niedersachsen beherbergen dürfe, sei zu wenig. Er sei alles andere als begeistert, so Hackmann.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 04.05.2021 | 15:00 Uhr

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