Stand: 03.07.2020 13:11 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Celle: Mutmaßliche IS-Anhängerin gesteht teilweise

Die Angeklagte sagte vor Gericht, dass sie die Ausreise nach Syrien schnell bereut habe.

Eine mutmaßliche IS-Anhängerin aus Vechta hat zum Prozessauftakt vor dem Oberlandesgericht Celle ein Teilgeständnis abgelegt. Die 30-jährige Lorin I. räumte ein, 2014 mit ihrem Mann nach Syrien ausgereist zu sein. Ihre Anwältin erklärte, dass es aber keine Belege dafür gebe, dass ihre Mandantin Frauen aus Deutschland zur Heirat mit IS-Kämpfern vermittelt habe. Die Generalstaatsanwaltschaft wirft I. die Mitgliedschaft in der Terrormiliz sowie einen Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vor, weil sie zwei Sturmgewehre und eine Handgranate besessen haben soll.

Angeklagte zeigt Reue

Die Angeklagte sagte vor Gericht, dass sie die Ausreise nach Syrien schon nach kurzer Zeit bereut habe und sie sich vom "Islamischen Staat" distanziere. In Deutschland zu bleiben, hätte ihr und ihrem Mann viel erspart, so die 30-Jährige. Sie berichtete unter anderem von einem Leben unter Beschuss, mit Hunger und auf der Flucht. Bei ihrer Ausreise soll sie vom Netzwerk des mutmaßlichen IS-Deutschland-Chefs Ahmad A., der sich selbst Abu Walaa nennt, unterstützt worden sein. A. muss sich bereits seit 2017 in einem anderen Verfahren in Celle vor Gericht verantworten.

Anklage geht von "glühender IS-Anhängerin" aus

Nach Ansicht der Generalstaatsanwaltschaft soll die 30-Jährige zunächst eine glühende Anhängerin des IS gewesen sein und auch für die Terrormiliz geworben haben. Als Mitglied eines sogenannten "Schwesternnetzwerks" radikalisierter Frauen habe sie unter anderem Fotos von Waffen vor einer IS-Flagge und Nachrichten wie "Ich warte hier auf dich" und "Es ist schön hier" verschickt,  heißt es in der Anklage. Ihren Ehemann soll sie nach seinem Tod 2017 als Märtyrer bezeichnet haben. Die Verteidigerin sprach von einer "politisierten Justiz", die den bloßen Aufenthalt im Gebiet des IS kriminalisiere. Ihrer Mandantin würden Taten vorgeworfen, die keine Straftaten sind - wie zum Beispiel das Führen eines Haushaltes.

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Festnahme nach Abschiebung

Lorin I. war im vergangenen Dezember mit ihren vier minderjährigen Kindern aus der Türkei nach Deutschland abgeschoben worden. Nach ihrer Ankunft kam sie direkt in Untersuchungshaft. Das Jugendamt nahm die Kinder in Obhut. Sollte die 30-Jährige verurteilt werden, drohen ihr bis zu zehn Jahre Gefängnis. Ihre Verteidigerin sagte, dass sie eine Verurteilung erwarte. Sie hoffe aber, dass I. nicht zu lange von ihren Kindern getrennt werde.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 03.07.2020 | 09:00 Uhr

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