Carola Reimann: Vom Bundestag ins Weil-Kabinett

Stand: 01.03.2021 18:02 Uhr

Carola Reimann tritt aus gesundheitlichen Gründen von ihrem Amt als Gesundheitsministerin in Niedersachsen zurück. Ein Blick auf den Werdegang der SPD-Politikerin.

Dass die 53-Jährige einmal niedersächsische Landespolitik machen würde, hatte sich nicht unbedingt abgezeichnet: Im nordrhein-westfälischen Goch geboren, kam sie 1987 mit 20 Jahren für ihr Biotechnologie-Studium nach Braunschweig. In der Löwenstadt wohnt sie noch immer, obwohl sie den großen Teil ihrer Karriere in Berlin verbracht hat. Von 2000 bis 2017 war Reimann dort Mitglied des Bundestages, von 2005 bis 2009 gesundheitspolitische Sprecherin der SPD. Später, 2013 bis 2017, war sie stellvertretende Fraktionsvorsitzende, zuständig für Arbeit und Soziales sowie Senioren, Frauen, Familie und Jugend.

Landespolitik: Eine "reizvolle Aufgabe"

Ende 2017, nach der vorgezogenen Landtagswahl, holte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) Carola Reimann als Gesundheitsministerin in sein Kabinett. Die Entscheidung zum Schritt in die Landespolitik war zunächst keine leichte für Reimann. Sie sei "mit Leib und Seele Parlamentarierin" gewesen, doch "im Konkreten, im eigenen Land, etwas für die Leute machen zu können, das war eine reizvolle Aufgabe", sagte sie im Gespräch mit NDR Niedersachsen unmittelbar nach Amtsantritt. Ein paar Tage habe sie überlegt, dann sei die Entscheidung klar gewesen.

Pflegekammer, schleppender Corona-Impfstart

Ihre Amtszeit als Gesundheitsministerin überschattete lange der missglückte Start und schließlich das Scheitern der Pflegekammer. In der Corona-Krise überzeugte sie dann zwar mit ihrem Wissen in fachlichen Detailfragen. Als Krisenmanagerin wirkte sie aber bisweilen verbissen. Die Pannen bei den Impf-Infobriefen, die auch an Verstorbene gingen, die technischen Probleme bei der Terminvergabe und der langsame Impffortschritt steigerten den Druck auf ihren Schultern zuletzt immer weiter. Die FDP forderte vor diesem Hintergrund schon im Januar einen Wechsel an der Spitze des Ministeriums.

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Carola Reimann (SPD) während der Corona-Landespressekonferenz im Landtag. © dpa-Bildfunk Foto: Ole Spata

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Reimann: "Ich bin glücklich und stolz"

Auch wenn die Corona-Pandemie ihr Wirken und die Ergebnisse ihrer Arbeit wohl überschatten werden, so richtet sie in ihrer Mitteilung am Montag den Blick auf das, was seit 2017 aus ihrem Ressort angeschoben wurde und resümiert: "Dennoch bin ich überzeugt, dass wir mit der konzertierten Aktion Pflege Niedersachsen, der Novelle des Pflegegesetzes, den hohen Investitionen in unsere Krankenhäuser, der Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und bei vielen, vielen anderen Themen gute Fortschritte erzielt haben und auch in den kommenden Monaten noch erzielen werden. Ich bin glücklich und stolz, dazu einen Beitrag geleistet zu haben."

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 01.03.2021 | 19:30 Uhr

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