Nahaufnahme vom Schriftzug "Kampfmittelräumdienst" auf einem Polizeiwagen. © dpa/picture alliance/Philipp Schulze Foto: Philipp Schulze

Bombe in Hannover gesprengt - Einsatz unter Lebensgefahr

Stand: 02.10.2020 11:52 Uhr

In Hannover-Seelhorst hat der Kampfmittelbeseitigungsdienst in der Nacht zu Freitag eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gesprengt. Es war ein heikler Einsatz.

Die Kampfmittelbeseitiger haben es in der Nacht zu Freitag mit einem Zerscheller einer britischen Zehn-Zentner-Bombe zu tun gehabt, die mit einem chemischen Langzeitzünder bestückt war. "Das Problem war, dass wir das erst gesehen haben, nachdem ein Teil der Bombe geborgen worden war", sagte Sprengmeister Thorsten Lüdeke. Denn das Heck der Bombe, in dem der Zünder saß, habe ausgesehen wie ein Splitter. Ein Langzeitzünder sei an sich schon "eine ganz gefährliche Nummer". Wenn dieser bewegt werde, handele es sich um den Worst Case. "Ab dem Moment herrscht erhöhte Lebensgefahr", sagte Lüdeke. Nur mit einer kontrollierten Sprengung konnte die Gefahr gebannt werden.

Bombe detoniert um 23.03 Uhr

Die Kampfmittelbeseitiger leiteten die Evakuierung des Gebiets in einem Radius von 750 Metern rund um den Fundort ein. Rund 6.300 Menschen mussten ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Um 22.45 Uhr war das Evakuierungsbeiet geräumt. Dann machten sich die Kampfmittelbeseitiger an die heikle Aufgabe, die Bombe zu sprengen. Um 23.03 Uhr gab es einen lauten Knall und die Überreste der Bombe detonierten. Verletzt wurde niemand.

Gartenhäuser und Halle beschädigt

Weil die Sprengmeister den Fundort nicht wie sonst üblich mit Wasserbehältern abschirmen konnten, um keine weiteren Erschütterungen zu verursachen, kam es zu erheblichen Beschädigungen rund um die Sprengstelle. Acht Gartenhäuser und die Glasfassade einer Halle wurden nach Angaben der Feuerwehr stark in Mitleidenschaft gezogen. Auch ein Bagger, der beim Ausgraben der Bombensplitter im Einsatz war, und später aufgrund der Gefahrenlage nicht mehr weggefahren werden konnte, wurde stark beschädigt. Wie hoch der dort entstandene Schaden ist, konnte die Feuerwehr zunächst nicht beziffern.

Menschen mit Corona-Bezug unter Evakuierten

Insgesamt waren 500 Einsatzkräfte vor Ort, darunter der Kampfmittelräumdienst. Das Gesundheitsamt der Region Hannover hatte den Einsatz begleitet. Nach Angaben der Feuerwehr befanden sich acht Menschen mit einem Corona-Bezug unter den Evakuierten. Ob es sich bei ihnen um Infizierte handelte oder ob sie sich lediglich in Quarantäne befanden, war laut einem Feuerwehr-Sprecher unklar. Sie seien in separaten Räumen der eingerichteten Sammelstelle vom Gesundheitsamt betreut worden. Die Reste der britischen Zehn-Zentner-Bombe waren bei sogenannten Sondierungsarbeiten des Kampfmittelräumdienstes entdeckt worden. Zuvor waren Luftbilder ausgewertet und anschließend gezielt nach Blindgängern gesucht worden.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 02.10.2020 | 08:30 Uhr

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