Stand: 14.12.2018 16:42 Uhr

Bischof Wilmer sieht "Strukturen des Bösen"

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Bischof Heiner Wilmer fordert tiefgreifende Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal.

Aufrüttelnde Worte von Bischof Heiner Wilmer zum Missbrauchs-Skandal in der katholischen Kirche: Der Hildesheimer Bischof, der seit September 2018 im Amt ist, sprach gegenüber dem "Kölner Stadt-Anzeiger" davon, dass es "Strukturen des Bösen" in der Kirche gebe und dass der Missbrauch von Macht "in der DNA der Kirche" stecke. Er forderte in dem Interview als Konsequenz aus den Missbrauchsvorfällen ein radikales Umdenken und tiefgreifende theologische Konsequenzen. "Wir nehmen das Problem von sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch in der Kirche immer noch nicht ernst genug", betonte der 57-Jährige, "wir werden den Glauben an die 'heilige Kirche' in Zukunft nur noch dann redlich bekennen können, wenn wir mitbekennen: Diese Kirche ist auch eine sündige Kirche." Ein "klammheimliches Verschwindenlassen in irgendwelchen Schubladen" werde es mit ihm nicht geben.

Bischof fordert eine Wahrheitskommission

Der Bischof forderte das Einsetzen einer sogenannten Wahrheitskommision. Diese wurden in der Vergangenheit vor allem in Staaten, die sich im Übergang von der Diktatur zur Demokratie befinden, eingesetzt. In Südafrika beispielsweise gab es nach Ende des Apartheidregimes eine "Wahrheits- und Versöhnungskommission", um Menschenrechtsverletzungen aufzuarbeiten.

"Alle Selbstherrlichkeit und alles Anspruchsdenken müssen fallen"

Etwas Vergleichbares schwebt dem Bischof auch für die katholische Kirche vor. "Um das Böse in der Kirche einzudämmen, brauchen wir eine wirksame Kontrolle der Macht. Wir brauchen Gewaltenteilung, wir brauchen ein System von 'Checks and Balances' in der Kirche". Über die Bischöfe in Deutschland sagte Wilmer. "Wir sitzen für mein Empfinden immer noch zu sehr auf dem hohen Ross. Alle Selbstherrlichkeit, alles Anspruchsdenken muss fallen."

3.677 minderjährige Opfer zwischen den Jahren 1946 und 2014

Der Missbrauchsskandal erschüttert seit Jahren die katholische Kirche. Ende September veröffentlichten Wissenschaftler auf der Herbstvollversammlung der katholischen Deutschen Bischofskonferenz in Fulda eine Studie zum sexuellen Missbrauch durch katholische Amtsträger zwischen 1946 und 2014. Demnach wurden 3.677 Minderjährige Opfer sexuellen Missbrauchs, 1670 Kleriker sind der Taten beschuldigt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 14.12.2018 | 14:30 Uhr

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