Stand: 14.09.2020 10:08 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Bischof Meister in Einzelfällen für Sterbehilfe

Ralf Meister, Landesbischof von Hannover © Landeskirche Hannover / Heiko Preller Foto: Heiko Preller
Hannovers Landesbischof Ralf Meister ist dafür, Sterbewillige in Einzelfällen zu begleiten. (Archivbild)

Der Landesbischof der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover, Ralf Meister, wünscht sich, dass über das Thema Sterbehilfe offen diskutiert wird - auch in den Kirchen. In einem Interview mit der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (HAZ) sagte er, dass er bei Fachleuten aus Medizin und Pflege eine große Unsicherheit wahrgenommen über die Frage wahrgenommen habe, welche Formen des Sterbenlassens noch möglich sind und welche ungesetzlich. "Ich glaube, dass in ganz wenigen Einzelfällen und wenn explizit der Wunsch zu sterben geäußert wird, wir schwerstkranke Menschen nicht alleinlassen dürfen, wenn sie sterben wollen und um Hilfe bitten", sagte Meister. Dabei ist Meister eindeutig gegen eine geschäftsmäßige Form der Sterbehilfe.

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"Willensentscheidung hören und ernst nehmen"

Es gebe Situationen, "wo Menschen sagen, eine weitere medizinische Intervention will ich nicht mehr, ich möchte jetzt aus dem Leben scheiden", sagte Meister der HAZ. Diese Willensentscheidung des Sterbenden müsse man hören und ernst nehmen. "Den wenigen, die am Ende eines langen Prozesses sterben wollen, dürfen wir unsere Begleitung nicht verweigern", so Meister. Das gelte auch für kirchliche Einrichtungen. Wobei aktive Sterbehilfe keineswegs zum Profil eines kirchlichen Hauses werden dürfe.

Kirchen fürchten wachsenden Druck auf Schwerstkranke

Im Februar hatte das Bundesverfassungsgericht das 2015 eingeführte Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe gekippt. Es verstößt aus Sicht der Karlsruher Richter gegen das Recht auf selbstbestimmtes Sterben, welches auch die Freiheit einschließe, sich das Leben zu nehmen und dabei Angebote von Dritten in Anspruch zu nehmen. Die katholische und die evangelische Kirche hatten das Urteil kritisiert. Sie fürchten, dass der gesellschaftliche Druck auf Schwerkranke wachsen könne, aus dem Leben zu scheiden. Auch Meister sagte, dass es dazu nicht kommen dürfe. Deshalb plädiere er für eine offene Diskussion über das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes und die gemeinsame Abwägung der Konsequenzen daraus.

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