Stand: 29.04.2019 17:44 Uhr

Klage gegen Genehmigung für Bergwerk "Siegfried"

"Rückwärtsgewandt, unzeitgemäß" - mit diesen Worten kritisiert Umweltschützer Dirk Fietz von der Bürgerinitiative (BI) GiesenSchacht die industriepolitischen Erwägungen, die zur Genehmigung für einen möglichen Neustart des Kalibergwerks Siegfried-Giesen bei Hildesheim geführt haben. Daher haben die BI und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) beim Verwaltungsgericht Hannover Klage gegen das Planfestellungsverfahren erhoben. Die Kläger begründen ihr Vorgehen damit, dass das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) bei seiner Ende Januar erteilten Genehmigung nicht auf ein Reduzieren der Umweltbelastungen bestanden habe. Stattdessen sei den wirtschaftlichen Interessen des Düngemittelherstellers K+S höhere Bedeutung eingeräumt worden, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung vom Montag.

Belastungen für das Grundwasser zu erwarten

"Seit mehr als 100 Jahren versickert aufgrund der ohne Basisabdichtung aufgeschütteten Althalde Salzlauge im Boden", sagen die Kläger. Bei einer Wiederinbetriebnahme des Bergwerks werde eine weitere Salzhalde aufgeschüttet. "Die Salzabflüsse der Kalihalden stellen ein erhebliches Risiko für das Grundwasser und die Gewässer dar", heißt es weiter. Zwar seien Abdeckungen geplant, dennoch könnten weitere Belastungen für das Grundwasser und den Fluss Innerste erwartet werden. Ob K+S die Schachtanlage überhaupt wieder vollständig reaktiviert, ist aber noch gar nicht klar.

BI: Es gibt umweltfreundliche Alternativen

Siegfried-Giesen wird seit seiner Schließung 1987 lediglich als Reservebergwerk betriebsbereit gehalten. Das Bergwerk soll erst dann wieder in Betrieb genommen werden, wenn die Wirtschaftlichkeit gewährleistet ist. Mit dem Ende Januar erteilten Planfeststellungsbeschluss, der Baugenehmigung, hat das Unternehmen fünf Jahre Zeit, mit dem Projekt zu beginnen. Der Konzern will in diesem Fall einen höheren dreistelligen Millionenbereich investieren, rund 500 Arbeitsplätze sollen entstehen. Doch diese Argumente lässt Dirk Fietz von der Bürgerinitiative nicht gelten. Es gebe durchaus Möglichkeiten, dass "in Giesen ein Kalibergbau unter Vermeidung neuer und alter Halden und einer Reduzierung von Immissionen unter wirtschaftlich zumutbaren Bedingungen möglich wäre." Auch neue Arbeitsplätze könnten unter Anwendung moderner Umweltstandards geschaffen werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 29.04.2019 | 18:00 Uhr

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